Daimler stellt seinen Prozess auf den Kopf

- Wilmington - Es war ein Paukenschlag, auf den Daimler-Chrysler als Beklagter im Milliardenprozess in den USA gut hätte verzichten können. Mit einem Verfahrensfehler brachten die Anwälte des Stuttgarter Autobauers den bislang zurückhaltenden Richter Joseph Farnan gegen sich auf. Es müsse geklärt werden, "wie wir in diesen Schlamassel geraten sind", sagte Farnan und setzte den Prozess bis auf weiteres aus.

<P>Wenn die Kläger darauf bestehen, könnte selbst Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp erneut vor Gericht zitiert werden. "Wenn Sie es wollen, würde ich es zulassen", sagte Farnan dem Klägeranwalt Terry Christensen. Die Daimler-Chrysler-Anwälte hatten in letzter Minute 61 Seiten Beweismaterial produziert, das längst hätte übergeben werden müssen. Dennoch bleibt das Unternehmen bei seiner Siegesgewissheit: "Meine Ansicht bleibt, dass die Klage jeder Grundlage entbehrt", sagte Daimler-Chrysler-Anwalt Mike Schell.</P><P>Eigentlich hätte die heiße Phase des spektakulären Prozesses ziemlich unspektakulär zu Ende gehen sollen. Nach der letzten Zeugenbefragung wollten die Anwälte einpacken und nach Hause fahren. Die Schlussplädoyers sollten schriftlich eingereicht und das Urteil irgendwann im Frühjahr schriftlich mitgeteilt werden.</P><P>Ein "Versehen", wie Schell sich ausdrückte, stellte den Prozess auf den Kopf. "Wir haben 61 Seiten Dokumente entdeckt, die versehentlich nicht übergeben worden waren", räumte Schell ein. Das Material sei den Daimler-Chrysler-Anwälten erst am Montag in die Hände gefallen. Ob die Aufzeichnungen des damaligen Chrysler-Finanzchefs Gary Valade brisant sind, bleibt dahingestellt. Richter Farnan verbot allen, über den Inhalt zu reden. Aus seinem Ärger machte er aber keinen Hehl: "Das ist eine ernste Angelegenheit."</P><P>Bis dahin waren die Daimler-Chrysler-Leute mit dem Prozessverlauf zufrieden gewesen. Der Höhepunkt mit der Schrempp-Aussage war nach Meinung von Prozessbeobachtern gut gelaufen.<BR></P>

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