Daimler trennt sich von Chrysler

Aus: - Stuttgart - Die deutsch-amerikanische Autoehe zwischen Daimler-Benz und Chrysler ist endgültig gescheitert. Neun Jahre nach der Fusion übernimmt der amerikanische Finanzinvestor Cerberus für 5,5 Milliarden Euro 80,1 Prozent der Anteile an dem angeschlagenen US-Autobauer.

Das Aus des transatlantischen Zusammenschlusses soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen und auch im Firmennamen sichtbar gemacht werden: Statt DaimlerChrysler AG wird der Stuttgarter Autobauer künftig nur noch Daimler AG heißen. Damit wird auch das Ende der einstigen "Welt AG" besiegelt, die mit Beteiligungen in den USA und Japan geschmiedet werden sollte.

"Mit dieser Transaktion haben wir die Voraussetzungen für einen neuen Start für Chrysler und für Daimler geschaffen", sagte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche am Montag in Stuttgart. Die Aktie von DaimlerChrysler machte bis zum Mittag einen Sprung von 5,74 Prozent auf 64,09 Euro.

Das außerordentliche Aktionärstreffen wurde für den Herbst angesetzt. Im dritten Quartal 2007 soll der Verkauf der Chrysler- Anteile auch endgültig abgeschlossen sein. Durch die Trennung von der defizitären US-Tochter wird der Gewinn des Stuttgarter Mutterkonzerns in diesem Jahr voraussichtlich mit bis zu vier Milliarden Dollar belastet. Zetsche betonte dennoch: "Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die insgesamt den größten Wert schafft - für Daimler und für Chrysler." Der Präsident der amerikanischen Gewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger, begrüßte ebenfalls die Transaktion.

Der Vertrag mit dem Finanzinvestor Cerberus, der vom früheren DaimlerChrysler- und VW-Manager Wolfgang Bernhard beraten wird, sieht vor, dass die hohen Pensions- und Gesundheitskosten von Chrysler bei dem US-Unternehmen verbleiben und damit künftig nicht den Stuttgarter Konzern belasten werden. Der Rest der Transaktion ist kompliziert: Von der Einlage von 5,5 Milliarden Euro, die Cerberus leistet, sollen 3,7 Milliarden in das Industriegeschäft und 800 Millionen in das Finanzdienstleistungsgeschäft fließen, um die jeweilige Eigenkapitalquote zu stärken. Den Restbetrag von einer Milliarde Euro erhalte DaimlerChrysler.

Zugleich gewähre der bisherige Mutterkonzern der Chrysler Corporation ein Darlehen von 300 Millionen Euro. Das Industriegeschäft solle komplett Schuldenfrei übergeben werden. Dies werde DaimlerChrysler 1,2 Milliarden Euro kosten. Zusätzlich sollen langfristige Schulden von Chrysler abgelöst werden. Der bisherige Mutterkonzern behält noch die restlichen 19,9 Prozent an Chrysler.

Die Deutschen hatten Chrysler nach dem Kauf 1998 unter der Regie des heutigen Konzernchefs Zetsche aufwändig saniert, zuletzt gab es jedoch wieder hohe Verluste. Daher kündigte DaimlerChrysler an, für Chrysler alle Optionen zu prüfen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nachfrage nach E-Autos überraschend hoch - lange Lieferzeiten 
Wer sich angesichts der Debatte um Umweltbelastung und drohende Fahrverbote für ein Elektroauto entscheidet, muss sich - das ökologische Bewusstsein in allen Ehren - auf …
Nachfrage nach E-Autos überraschend hoch - lange Lieferzeiten 
China droht mit scharfen Reaktionen auf mögliche US-Strafzölle
China hat den USA wegen der geplanten Einfuhrbeschränkungen für Stahl und Aluminium mit scharfen Reaktionen gedroht.
China droht mit scharfen Reaktionen auf mögliche US-Strafzölle
USA planen Strafzölle auf Stahl - Deutsche Wirtschaft reagiert bestürzt
Experten entlarvten Donald Trumps „freundliche Pose“ beim Weltwirtschaftsgipfel als reinen Marketing-Gag. Vor allem deutsche Wirtschaftsvertreter warnen vor den …
USA planen Strafzölle auf Stahl - Deutsche Wirtschaft reagiert bestürzt
Städtetag erwartet Fahrverbote für Dieselfahrzeuge
Der Deutsche Städtetag rechnet damit, dass die hohe Belastung durch Stickoxide zu Fahrverboten für Dieselfahrzeuge in Städten führen wird.
Städtetag erwartet Fahrverbote für Dieselfahrzeuge

Kommentare