Daimler zieht die Notbremse

- Stuttgart - Beim Mitsubishi-Einstieg im März 2000 hatte Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp noch vollmundig verkündet: "Jetzt ist das Tor Asiens wirklich aufgemacht." Doch schon bald erwies sich das Engagement auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt als zusätzliche Belastung für den Konzern, der ohnehin schon mit seiner US-Sparte zu kämpfen hatte. Jetzt zogen Vorstand und Aufsichtsrat die Notbremse.

<P>Der Stuttgarter Autokonzern beteiligt sich nicht an der von Mitsubishi Motors geplanten Kapitalerhöhung und stellt dem Unternehmen kein Geld mehr zur Verfügung. Schon sagen Beobachter das Ende der von Schrempp vorangetriebenen "Welt AG" voraus. Allerdings hat Daimler-Chrysler noch keine Entscheidung über einen möglichen Verkauf seines 37-Prozent-Anteils an den Japanern getroffen.<BR><BR>Auch bedeutet das Zudrehen des Geldhahns erst einmal nicht das vollständige Aus der Partnerschaft. Daimler-Chrysler wolle mit Mitsubishi bei einzelnen Projekten weiterarbeiten und bestehende fortführen, sagte Finanzvorstand Manfred Gentz. Smart und die Japaner hatten gerade eine Plattform für einen gemeinsamen Kleinwagen entwickelt, daraus resultiert der Smart ForFour. Beide Unternehmen bauen zudem in Thüringen ein Motorenwerk.<BR><BR>Milliardenschulden, sinkender Absatz und die Affäre um jahrelang verschwiegene Fahrzeugmängel hatten Mitsubishi Motors in den letzten Jahren massiv unter Druck gesetzt. Von der "asiatischen Grippe" Mitsubishi, die Daimler-Chrysler zusammen mit der "amerikanischen Krankheit" Chrysler den Garaus machen könnte, sprachen Aktionärsschützer bereits 2002.<BR><BR>Dabei hatte Daimler-Chrysler immer wieder versucht, den Partner auf Kurs zu bringen: Rolf Eckrodt wurde als Sanierer geschickt und vor wenigen Wochen wurde der erfolgreiche Smart-Chef Andreas Rentschler nach Japan entsandt. Doch was er vorfand, war offenbar schlimmer als erwartet. Gerüchten zufolge wären bei Mitsubishi über fünf Milliarden Euro zur Sanierung notwendig gewesen. Davon sollte einen großen Teil Daimler tragen. Das war dem deutsch-amerikanischen Konzern dann doch zu viel. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hatte Schrempp sogar selbst den Vorschlag gemacht, die Unterstützung für Mitsubishi einzustellen.<BR><BR>Auch bei einem anderen Partner in Asien hat Daimler mit Problemen zu kämpfen. Die Gespräche mit dem südkoreanischen Autobauer Hyundai über die Zusammenarbeit im Lkw-Geschäft sind ins Stocken geraten. Hyundai wird in der kommenden Woche alle Kooperationsverträge kündigen, berichtet die "Automobilwoche".<BR></P>

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