Daimler-Aufsichtsrat hält Schrempp

- New York/Stuttgart - Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp hat seinem Ruf als Machtmensch alle Ehre gemacht. Gleich zu Beginn der mit Spannung erwarteten Aufsichtsratssitzung setzte Hilmar Kopper ein Zeichen und ließ eine demonstrative Vertrauenerklärung für seinen Freund Schrempp veröffentlichen.

<P>Damit wäre eigentlich die Luft aus der Aufsichtsratssitzung in New York heraus gewesen. Doch dann sorgten die 20 Konzern-Kontrolleure für einen Paukenschlag: Wolfgang Bernhard, der am Montag seinen Job als Chef der Mercedes Car Group antreten sollte, wurde überraschend abberufen.<BR><BR>Jürgen Hubbert hätte zusammen mit Bernhard bis zum August Mercedes führen sollen - dann sollte Bernhard das Zepter übernehmen.<BR><BR>Was Hubbert in einer Sitzungspause sagte, ließ auf eine nachhaltige und ungewöhnlich gravierende Störung im Vertrauensverhältnis zwischen Bernhard und vielen Mercedes-Mitarbeitern schließen. Offenbar hatte der zuvor bei Chrysler erfolgreiche Sanierer, der als knallharter Kostenkiller gilt, seit seiner Berufung am 18. Februar alles umzukrempeln begonnen; deshalb machte man sich in der Car Group ernste Sorgen um die Zukunft der Marke Mercedes. <BR><BR>Der langjährige und sehr erfolgreiche Mercedes-Chef Hubbert, der immerhin 64 ist und im Frühjahr 2005 ganz aus dem Konzern ausscheiden wollte, scheint sich nun endgültig unentbehrlich gemacht zu haben. Bernhard dagegen dürfte nach Angaben aus dem Konzern bald das Unternehmen verlassen.<BR><BR>"Da war nichts und da ist nichts", sagte ein Schrempp-Vertrauter nach der Vertrauenserklärung des Aufsichtsgremiums für den Konzernchef. Doch Schrempp geht nach Ansicht von Beobachtern geschwächt aus dem Mitsubishi-Krach hervor. Seine Strategie der "Welt AG" ist vielleicht gar nicht mehr zu realisieren. Der in Finanzkreisen sehr geschätzte Finanzchef Manfred Gentz hatte nach verschiedenen Berichten so nachdrücklich vor einer weiteren milliardenschweren Kapitalspritze bei Mitsubishi Motors gewarnt, dass Schrempp gegen seinen Willen auf die Gentz-Linie einschwenken musste. </P><P>Der Abgang von Bernhard ist nach Meinung von Beobachtern auch kein Ruhmesblatt. Denn auch Bernhard galt als Schrempp-Mann.<BR></P>

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