DaimlerChrysler drohen Schadenersatzklagen

- Stuttgart - Der DaimlerChrysler AG drohen nach Ansicht eines Anwaltes möglicherweise Schadenersatzforderungen von Anlegern, die die Aktien des Konzerns kurz vor der Rücktrittserklärung von Konzernchef Jürgen Schrempp verkauft haben. "Der Verstoß gegen die Publizitätspflichten ist so offenkundig, wie es das bisher noch selten gegeben hat", sagte der Münchner Anleger-Anwalt Franz Braun, den "Stuttgarter Nachrichten" (Dienstag).

Ein DaimlerChrysler-Sprecher wollte dies unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) nicht kommentieren. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart, die wegen des Verdachts des Insiderhandels in der vergangenen Woche bei vier Personen Hausdurchsuchungen vorgenommen hatte, werte derzeit die Unterlagen aus, sagte eine Sprecherin der Behörde.

Laut Braun könnten Anleger, die wegen verspäteter Veröffentlichung von Schrempps Plänen Schadenersatz einfordern, zum Zuge kommen. Unmittelbar nach der Veröffentlichung von Schrempps Plänen war der Aktienkurs um rund zehn Prozent gestiegen, was einer Wertsteigerung des Konzerns von mehr als drei Milliarden Euro entspricht.

Schrempp hatte kurz nach seiner Rücktrittsankündigung in einem Interview des Magazins "Focus" erklärt: "Ich habe darüber schon seit einiger Zeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper gesprochen. (...) In einem dieser Gespräche haben wir dann festgestellt, dass Ende des Jahres der günstigste Zeitpunkt für einen Führungswechsel ist." Damit habe Schrempp nach Ansicht von Rechtsexperten selbst erklärt, dass seine Rücktrittspläne schon vor der Veröffentlichung feststanden, schreibt die Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte in einem Schreiben, das den "Stuttgarter Nachrichten" vorliegt, erklärt, die Information über den Rücktritt habe sich bereits bis zu fünf Wochen vor der Bekanntgabe "verdichtet". DaimlerChrysler veröffentlichte die Rücktrittsabsicht am 28. Juli nach einer Aufsichtsratssitzung, in der auch ChryslerChef Dieter Zetsche zum Schrempp-Nachfolger gewählt worden war.

Diese angebliche Verzögerung der Information ist nach dem Wertpapierhandelsgesetz unter strengen Voraussetzungen zulässig. Ob diese bei Daimler vorliegen, gelte als fraglich, schreibt die Zeitung. So müsse das Unternehmen für die Dauer der Verzögerung die Vertraulichkeit der Informationen sicherstellen. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel und die Staatsanwaltschaft Stuttgart haben aber den Verdacht, dass InsiderInformationen frühzeitig nach außen gedrungen sind.

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