Daimler-Chrysler genehmigt Bossen 130 Prozent mehr Gehalt

- Berlin - Der Vorstand der Daimler-Chrysler AG kann sich über eine satte Gehaltsaufbesserung freuen: Um 131 Prozent kletterten die Bezüge der Vorstandsmitglieder auf durchschnittlich 3,7 Millionen Euro - absolute Spitze bei deutschen Unternehmen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat untersucht, was in den 30 Aktiengesellschaften, die im Dax notiert sind, im abgelaufenen Jahr an die obersten Chefs bezahlt wurde.

<P>Bescheiden nahm sich dagegen das Salär bei Infineon aus: Wie schon im Vorjahr bildeten die Münchner mit durchschnittlich 280 000 Euro das Schlusslicht beim Verdienst. Auch die MAN-Chef bekamen mit 535 000 Euro vergleichweise wenig. Hinter dem Spitzenreiter Daimler-Chrysler folgte mit weitem Abstand die Deutsche Bank mit 2,06 Millionen Euro, Volkwagen mit 1,82 Millionen, Schering mit 1,71 Millionen und die Deutsche Telekom mit 1,68 Millionen Euro. Die Vorstandschefs verdienen im Schnitt jeweils 1,75 Mal so viel wie das gewöhnliche Vorstandsmitglied. Nimmt man alle 30 Dax-Firmen zusammen, erhöhte sich das Einkommen der Vorstände um 7,4 Prozent auf rund 1,25 Millionen Euro pro Kopf. "Insgesamt sieht es nicht so dramatisch aus", betonte Jella Benner-Heinacher, die DSW-Geschäftsführerin. </P><P>Der Eindruck, dass in den Chefetagen Gier vorherrscht, hält sich dennoch beständig, meint die Rechtsanwältin Christiane Hölz. Genährt durch Vorstände wie Jean Pierre Garnier, Chef des britischen Pharmaunternehmens Glaxo Smith Kline, der sich trotz sehr durchwachsener Ergebnisse sein Gehalt verdoppeln lassen wollte. Auch der Ex-Chef der New Yorker Börse, Richard Grasso, habe seinen Teil dazu beigetragen, die Diskussion zu verschärfen. Er musste seinen Sessel räumen, als bekannt wurde, dass er inklusive seiner Pensionsansprüche auf die astronomischen Bezüge von 140 Millionen Dollar kommt.</P><P>Insgesamt lagen die Bezüge in Deutschland international im Mittelfeld. Allerdings: sieben der 30 Dax-Unternehmen hoben die Chef-Gehälter an, obwohl die Ergebnisse je Aktie sanken.</P><P>Dass die variable Vergütung nicht unbedingt ein Garant für die gleichgerichtete Entwicklung von Gehaltszahlungen und Unternehmensergebnisse ist, zeige unter anderem BASF. Das Chemieunternehmen erhöhte die Vorstandsgehälter laut DWS um über 40 Prozent, obwohl das Ergebnis je Aktie um 73,25 Prozent gefallen ist. Das trifft die Inhaber von Aktienoptionen. Die Gesamtbezüge sind also nicht gleichzusetzen mit den tatsächlichen in bar gewährten Beträgen, sagte Hölz.</P><P>Aussagekräftiger sind daher individualisierte Angaben. Für 2002 nannten das konkrete Gehalt mit Altana, Bayer, der Deutschen Bank, der Deutschen Börse, SAP und Thyssen/Krupp gerade einmal sechs der 30-Dax-Werte. Die anderen zieren sich noch. Und dies obwohl der Corporate Governance Kodex die Veröffentlichung in diesem Jahr von einer Anregung zur Empfehlung gemacht habe. Was hierzulande als Zumutung empfunden wird, sei international längst Standard. Die deutschen Unternehmen werden aber nicht darum herum kommen, sich hier anzupassen, meinte dazu Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. <BR><BR></P>

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