Damit der Aufenthalt ein Erfolg wird

München - Eine Sprache lernt man am besten dort, wo sie gesprochen wird. Die Stiftung Warentest hat Sprachreisen für Erwachsene nach England, Malta und Spanien getestet. Das Angebot ist vielfältig, jedoch nicht ohne Mängel.

Probleme offenbarten sich den Testern vor allem bei der Privatunterkunft. Eigentlich gilt das als die beste Möglichkeit, die fremde Kultur und Sprache unmittelbar zu erleben. Doch einige Tester fühlten sich dort nicht willkommen. Viele Gastgeber lebten offenbar von der Vermietung an Sprachschüler und hielten ihre Gäste zur Sparsamkeit an. Dazu sei den Gästen billiges, eintöniges Essen serviert worden.

Insgesamt schickte die Stiftung Warentest 54 Erwachsene auf je eine zweiwöchige Sprachreise. Die Englischlernenden sollten ihre soliden Sprachkenntnisse in England und Malta erweitern, die Spanischlernenden ihre Grundkenntnisse in Spanien ausbauen. Acht große Anbieter, die beide Sprachen anbieten, und zwei Spezialisten wurden dabei auf die Probe gestellt.

Englisch - lieber in England

Was Englisch betrifft, so schnitt England besser ab als Malta. Die Mittelmeerinsel hat gegenüber England zwar viele Monate im Jahr einen klimatischen Vorteil, doch die Muttersprache der Malteser ist Maltesisch. Englisch ist nur Amtssprache. So sei es in den Gastfamilien zu Problemen mit der Kommunikation gekommen und die Lehrer seien nicht immer Englisch-Muttersprachler gewesen, was das Lernen mitunter etwas gestört habe.

Spanische - Vielfalt

Spanien ist ebenfalls vielsprachig. Es wird nicht nur Kastilisch (Hochspanisch), sondern auch Katalonisch, Baskisch und Galizisch gesprochen. So sei es wie in Malta manchmal zu Verständigungsschwierigkeiten in den Gastfamilien gekommen. Doch in den Schulen habe es diese Probleme nicht gegeben. Die Lehrer hätten meistens lupenreines Kastilisch gesprochen.

Kurse meist durchschnittlich

Trotzdem haben laut Stiftung Warentest alle Veranstalter in Spanien, Malta und England nur durchschnittliche Leistungen gebracht. Zwar habe Studiosus in Spanien noch ein knappes "gut" erreicht, der Unterschied zu den Anbietern Alfa, Sprachcaffe und Vamos sei aber gering.

Die Einstufung sei meist ohne Begründung erfolgt. Etwa die Hälfte sei in bereits bestehende Lerngruppen eingeteilt worden. Für die anderen seien neue Klassen gebildet worden. Das Lernniveau der Gruppen mit meist sechs bis zwölf Erwachsenen sei nicht immer einheitlich gewesen. Einige Tester hätten deshalb die Klasse wechseln müssen. Kurse für Ältere kämen meist wegen mangelnder Nachfrage nicht zustande, so sei die Mehrzahl der Schüler in den meisten Kursen jünger als 30 Jahre.

In bereits bestehenden Klassen seien viele Langzeitschüler mit teils mangelnder Motivation und Disziplin. Das muss jedoch nicht stören. Eine Testerin habe eine Woche lang Einzelunterricht genossen, weil die anderen schwänzten.

Unterricht könnte lebendiger sein

Üblicherweise umfassen die Kurse immer 20 Unterrichtsstunden pro Woche, vier Stunden täglich. In Spanien bieten einige Schulen die Variante "20 plus 5" an. Darin enthalten seien dann zusätzlich noch fünf Stunden Landeskunde (Cultura). Einige Tester empfanden diese Stunden interessanter als den Sprachunterricht. Denn dieser sei meist wenig lebendig.

Spanisch günstiger als Englisch

Drei Wochen Sprachkurs in der Zeit von 24. Mai bis 14. Juni ohne Flug kosten laut Stiftung Warentest zwischen 807 und 1380 Euro. In der Regel ist England teurer als Malta. Spanien ist am günstigsten. Getestet wurden Dialog, LAL, carpe diem, Studiosus, Alfa, GLS, Christopher Hills, Sprachcaffe, Talk & Travel und Vamos.

Worauf man vor der Buchung achten muss

Die Tester geben folgende Tipps:

Veranstalter: Eine Übersicht sowohl für Englisch als auch Spanisch bietet die Aktion Bildungsinformation. Die Broschüren kosten jeweils 16 Euro und können unter Telefon: 07 11/22 02 16 30 oder via Internet unter www.abi-ev.de bestellt werden. Listen gibt es vom Fachverband Deutscher Sprachreiseveranstalter (www.fdsv.de), dem 24 Anbieter angehören.Vertrag: Der Vertrag sollte eine genaue Leistungsbeschreibung enthalten. Schule, Kursart, Dauer und Anzahl der Stunden, Teilnehmerstärke, Freizeitangebot, Versicherungen. Die Anzahlung beträgt in der Regel zehn oder 20 Prozent.Sprachschule: Die Schule sollte staatlich anerkannt sein. In einer Klasse sollten nicht mehr als zwölf Schüler sein.Unterkunft: Privatunterkünfte haben den Vorteil, dass man Alltagskultur und Sprache unmittelbar erleben kann. Allerdings waren die Erfahrungen im Test oft nicht sehr gut. Sonderwünsche (Nichtraucher, Vegetarier, Allergiker) schriftlich bestätigen. Als etwas teurere Alternative gibt es meist Hotels, Appartements und Studentenwohnheime.Buchung: Die meisten Anbieter vermitteln Leistungen, die sich jeder mit etwas Zeit und Organisationstalent zusammenstellen kann. Wer jedoch beim deutschen Veranstalter bucht, genießt den Schutz des deutschen Reisevertragsgesetzes. Wenn im Ausland etwas schiefgeht, kann er in Deutschland reklamieren. Wer seine Sprachreise selbst in die Hand nimmt, muss selbst für seine Rechte kämpfen und notfalls im Ausland prozessieren.

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