Schadensmeldung

Damit die Versicherung auch zahlt

München - Einen Schaden bei der Versicherung melden – das hört sich einfach an. Trotzdem kann man viele Fehler machen und damit Leistungen riskieren. Was ist bei fünf wichtigen Policen zu beachten?

Bei der Schadensmeldung an die Versicherung gibt es einige Grundregeln zu beachten:

-Melden Sie einen Schaden immer so schnell wie möglich. Also nicht erst etwas reparieren lassen und die Rechnung dann der Versicherung schicken.

-Melden Sie den Schaden immer schriftlich.

-Kopieren Sie alle Unterlagen, die Sie der Versicherung schicken.

- Seien Sie beim Ausfüllen der Schadensmeldung sehr genau. Bei Ungereimtheiten wird der Versicherer die Regulierung zurückstellen oder verweigert sie ganz.

-Schildern Sie den Schadenshergang exakt. Jede Versicherung hat Experten, die solche Angaben nachprüfen, zum Teil nachspielen. Da sind die Unternehmen sehr viel genauer geworden als noch vor einigen Jahren.

-Versicherte sind verpflichtet, den Schaden möglichst gering zu halten.

Berufsunfähigkeit

Auch wenn noch unsicher ist, ob ein Leiden zu einer Berufsunfähigkeit führt, kontaktiert man den Versicherer am besten schnell. „So sichert man sich die Leistung. Viele Versicherer zahlen die Rente erst ab Meldung und nicht rückwirkend“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Weil bei dieser Police Streit mit dem Versicherer um Rentenzahlungen programmiert ist, füllt man Fragebögen des Versicherers sinnvollerweise nur mit einem Experten aus. Verbraucherzentralen, der Bund der Versicherten oder ein unabhängiger Versicherungsberater geben Hilfestellungen. „Eine falsche Antwort oder ein Häkchen an der falschen Stelle, und die Leistung ist gefährdet“, sagt Versicherungsexpertin Boss.

Hausratpolice

Melden, dokumentieren, auflisten und mindern – so lautet die Zauberformel, mit der man sich Leistungen im Schadensfall sichert. „Einen Schaden muss man unverzüglich melden, am besten schriftlich“, sagt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Ein beliebter Weg ist über das Telefon, doch dann hat man hinterher keinen Nachweis, was man gesagt hat.“ Diese Regel gilt für alle Sachschadensmeldungen. Und: Nicht gleich alles aufräumen. Der Versicherer hat ein Recht darauf, zerstörte Gegenstände zu sichten. „Aber man ist trotzdem verpflichtet, einfache Maßnahmen zu ergreifen, um den Schaden so gering wie möglich zu halten“, sagt Boss.

Haftpflichtpolice

Der Versicherer wird nachprüfen, ob ein geschilderter Schaden sich so ereignet hat oder nicht. Deshalb sind beschädigte Gegenstände aufzuheben.

Oft beteuern etwa Eltern von kleinen Kindern unter sieben Jahren gegenüber dem Versicherer, sie hätten immer aufgepasst und doch hätte der Kleine das Fenster des Nachbarn zerschmissen. „Wer das sagt, hat Pech gehabt. Denn der Versicherer zahlt für Kinder unter sieben Jahren nur bei verletzter Aufsichtspflicht“, sagt Wortberg.

Die meisten Unternehmen zahlen auch nicht bei Gefälligkeitsschäden oder Schäden an geliehenen Sachen. So muss die Versicherung nicht ersetzen, was bei einer Umzugshilfe aus Freundschaft zu Bruch geht.

Rechtsschutz

Erst den Versicherer kontaktieren, dann den Anwalt beauftragen – so ist es richtig. Beim Versicherer muss man sich erst eine Deckungszusage einholen, sonst riskiert man Leistungen. „Diese wird erst positiv ausfallen, wenn auch tatsächlich ein Rechtsverstoß vorliegt“, sagt Boss. Ärger gibt es immer wieder um die Frage, wann ein Rechtsverstoß eingetreten ist. Geschah dies in der Zeit, bevor die Police abgeschlossen wurde, zahlt der Versicherer nur dann, wenn er nach der „Folgeereignistheorie“ leistet, so der Fachbegriff.

Kfz-Police

Schnelles Handeln ist bei einem Unfall angesagt. Obwohl einem vielleicht noch der Schreck in den Knochen sitzt, sollte man nach Zeugen Ausschau halten und sich Namen und Adressen notieren. Kommt es zum Streit mit dem Versicherer, sind die Zeugen wichtig, rät Bianca Boss. Auch Fotos vom Unfallort zu machen, ist ratsam. Und keine Angst: „Schuldeingeständnisse vor Ort zählen nicht“, sagt Boss.

Vertragsabschluss

Die richtige Schadensmeldung ist das eine – der richtige Tarif das andere. Fehler kann man schon bei Vertragsabschluss machen, die sich dann im Schadensfall negativ auswirken – etwa, weil der Leistungsumfang der Police nicht ausreicht. Auch falsche Angaben bei Vertragsabschluss gefährden Leistungen: „Richtig beantwortete Fragen zur Gesundheit sind eine der wichtigsten Voraussetzungen für Rentenzahlungen bei der Berufsunfähigkeitspolice“, sagt Wortberg. Bei der Hausratpolice kommt es auf die korrekte Höhe der Versicherungssumme an und bei der Kfz-Police ist entscheidend, dass man Rabattangebote – z.B. für Wenigfahrer oder Garagenparker – auch korrekt erfüllt.

Mehr Informationen

gibt es unter Fax-Abruf 09001/ 25 26 65 50 (1 Minute = 62 Cent/6 Seiten) bis 6. Dezember. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken, Stichwort „Versicherungen: Schaden richtig melden“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf

Anette Jäger

Rubriklistenbild: © dpa

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