"Das darf keine Schule machen"

- München - Die Kürzung der Betriebsrenten bei der Commerzbank und beim Versicherungskonzern Gerling ist in der Politik quer durch alle Parteien auf Ablehnung gestoßen. Der Sozialverband VdK forderte gesetzliche Regelungen gegen die Kündigung und Kürzung von Betriebsrenten.

<P>Besonders deutlich äußerte sich der designierte bayerische SPD-Vorsitzende Ludwig Stiegler, der die Kündigung der Betriebsrenten bei der Commerzbank als ein "besonderes Zeichen von Charakterlosigkeit" deutete. Er hätte für einen solchen Schritt nur Verständnis, wenn auch die Vorstände davon betroffen seien, sagte der Fraktionsvize der SPD. Die Commerzbank verfahre aber nach dem Motto: "Meine Vorstände, die bade ich in Fett, und die anderen werden ins kalte Wasser gestoßen."</P><P>Die bayerische Sozialministerin verwies auf die Bedeutung der Betriebsrente. Neben der gesetzlichen Rentenversicherung und der Privatvorsorge bilde sie eine zentrale Säule der Altersvorsorge. "Vor diesem Hintergrund halte ich es für wichtig, dass sich Betriebe nicht aus der Altersvorsorge zurückziehen", sagte Stewens unserer Zeitung. "Wenn die Vorstände auch noch von dieser Regelung profitieren, zeugt das von einer gewissen sozialen Kälte. Das darf nicht Schule machen." Nur der CDU-Sozialexperte Andreas Storm ließ trotz Kritik auch Verständnis für den Schritt der Manager erkennen: Bei schwierigen Wirtschaftslagen würden durch die arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge "die Probleme der Unternehmen verschärft".</P><P>Klaus-Peter Müller, Chef der Commerzbank, verteidigte die Entscheidung. "Sie ist uns schwer gefallen, aber wir können nicht nur unseren Aktionären Verzicht zumuten", sagte Müller der "Bild"-Zeitung. Bessere Erträge sicherten Arbeitsplätze. Zu den Pensionen der Vorstandsmitglieder sagte er: "Unsere Pensionen sind im Verhältnis zu vergleichbaren Banken sehr niedrig, wir haben hier schon 2001 deutliche Einschnitte vorgenommen."</P><P>VdK-Präsident Walter Hirrlinger forderte gesetzliche Regelungen zur Sicherung der Betriebsrenten. "Ich habe kein Verständnis dafür, wenn die Arbeitnehmer für eine falsche Unternehmenspolitik bezahlen sollen", sagte er.<BR><BR></P>

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