"Das Know-how liegt in Südostasien"

- Über den Verkauf des Handy-Geschäfts sprachen wir mit dem Vorsitzenden des Siemens-Konzernbetriebsrats, Georg Nassauer.

Siemens hat wahrgemacht, was lange angekündigt wurde. Wie fühlen Sie sich?<BR><BR>Nassauer: Wenn Siemens sich von einem Geschäft trennt, dann ist uns nicht zum Feiern zumute. Wir haben nur die drittbeste Lösung erzielt. Eine Sanierung aus eigener Kraft oder eine 50-zu-50-Gesellschaft wären besser gewesen. Aber wir konnten das Management nicht überzeugen.<BR><BR>Aber Sie haben zugestimmt.<BR><BR>Nassauer: Die Welt hat sich gedreht. Ein Handy muss Musik machen können und fotografieren. Das Know-how in der Unterhaltungselektronik liegt in Südostasien.<BR><BR>Wenn das so ist, hat sich Siemens dann schon in der Vergangenheit von Dingen getrennt, die heute wichtig wären? <BR><BR>Nassauer: Ja, und ob wir so weitermachen können, uns von Zukunftstechnologien nur des schnöden Mammons wegen zu trennen, ist fraglich. Wenn man sich vorstellt, dass ein Handy heute mehr kann als ein PC vor 30 Jahren. Andererseits handelt es sich um 5 Prozent des Umsatzes. Bei 95 Prozent von Siemens läuft es gut.<BR><BR>Doch die Ursache der Misere waren eigene Fehler.<BR><BR>Nassauer: Man hatte auch Pech mit dem Software-Fehler in der 65er-Serie. Aber dann hat man das eigene Geschäft auch noch schlecht geredet. Aber wie gesagt: Bei der Kraftwerkstechnik und der Energieverteiltechnik läuft es gut.<BR><BR>Aber Handys galten doch als Wachstumsmarkt.<BR><BR>Nassauer: Ja und sie sind es immer noch. Wenn man ein Geschäft mit jährlich 10 Prozent Wachstumsraten weggibt, ist das schon eine Schande.<BR><BR>Was können andere auf diesem Gebiet besser?<BR><BR>Nassauer: Wir können nur darauf vertrauen, dass sie gefällige Handy bauen, die sich auch gut verkaufen lassen.<BR><BR>Aus Arbeitnehmersicht: Sie haben nur befristeten Schutz herausgeholt. Ist das nicht zu wenig?<BR><BR>Nassauer: Mit dem Schutz ist es schwierig. Lebenslang sichere Arbeitsplätze gibt es nicht mehr.<BR><BR>Aber genau dafür stand früher der Name Siemens.<BR><BR>Nassauer: Das ist aber schon lange her.<BR><BR>Das Gespräch führte Martin Prem

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