"Das ist die Legalisierung des Banküberfalls"

- München -­ Die Kleinaktionäre der HypoVereinsbank fühlen sich von der Konzernmutter Unicredit verraten und verkauft. Dass die Bank Austria als Ertragsperle aus ihrer HVB herausgelöst und an die Italiener übertragen werden soll, ist für viele gleichbedeutend mit der Ausplünderung ihrer Bank. Auf einer turbulenten außerordentlichen Hauptversammlung liefen die Kleinanleger Sturm gegen den Schritt. "Das ist die Legalisierung des Banküberfalls", rief ein aufgebrachter Aktionär. Letztlich werde damit nur ein Ziel verfolgt: "Der Griff in die Taschen des Streubesitzes", sagte der Anleger.

Zum Auftakt hatte HVB-Chef Wolfgang Sprißler gute Wachstumsperspektiven für die Bank in Deutschland ausgemalt und auch Zukäufe im Ausland mittelfristig als wieder denkbar bezeichnet. Viele Kleinanleger überzeugte das nicht. "Wir wollten die Wachstumschancen in Osteuropa selbst nutzen und nicht den Italienern überlassen. Mit dem heute geplanten Ausverkauf nehmen Sie uns diese Chancen. Auf dem deutschen Markt werden Sie diese nicht vorfinden", sagte Aktionär Manfred Klein. Wie andere Anleger kündigte er an, die Entscheidung anzufechten.

Auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warf der Unicredit vor, die HVB "auszuschlachten". "Haben die Aktionäre nicht genug gelitten mit der HVB? Warum lässt man ihnen nicht eine Sonderausschüttung zukommen?", wandte sich Bergdolt an das Management. Es stelle sich auch die Frage, warum die HVB die Milliarden-Erlöse nicht vor dem Zusammengehen mit den Italienern selbst realisiert habe. "Dann stünde die HVB heute ganz anders da, nämlich als deutsche Großbank und nicht als eine wertlose Hülse", sagte die Aktionärsschützerin, die Widerspruch zu Protokoll gab.

Allerdings ist fraglich, wie weit die Kleinanleger mit ihrem Widerstand kommen. In Bankkreisen wird davon ausgegangen, dass die beiden Finanzinstitute das Vorhaben, das dem Münchner Geldhaus einen milliardenschweren Buchgewinn bringen soll, wie geplant umsetzen können, auch wenn es zu Anfechtungsklagen kommen sollte. Dies müsse allerdings zunächst geprüft werden, hieß es. Die Zustimmung durch die Hauptversammlung ist reine Formsache ­ die Unicredit hält 94 Prozent an der HVB.

Auch auf die Forderung Bergdolts nach einem Schiedsverfahren dürfte die HVB nicht eingehen. Wie viele andere Redner auf der Hauptversammlung zog die Aktionärsschützerin die Angemessenheit des Kaufpreises in Zweifel. HVB-Chef Sprißler wollte dies nicht gelten lassen. Man sei von der Richtigkeit des erstellten Wertgutachtens überzeugt, betonte er. "Unseres Erachtens ist der Verkaufspreis angemessen."

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