Achtung, Pendler: Störung bei S7 und Stau auf der Stammstrecke

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Eine der größten Hauptversammlungen in Deutschland richtet alljährlich der Siemens-Konzern aus. Heute ist es in der Münchner Olympiahalle wieder so weit. Im letzten Jahr kamen 12 000 Teilnehmer.

Siemens-Hauptversammlung

"Das wird einen Showdown geben"

München - Wenn der Börsenriese seine Anteilseigner ruft, strömen die Massen. Mehrere tausend Aktionäre werden am heutigen Dienstag an der Hauptversammlung von Siemens in der Münchner Olympiahalle teilnehmen, die sich bis in die Abendstunden hinziehen dürfte.

Dafür betreibt der Konzern einen Aufwand wie für ein Popkonzert: 340 Servicekräfte verteilen bis zu 12 000 Liter Limonade und 2,5 Tonnen Fleisch- und Wurstwaren. Zugleich werden die Aussagen der Redner von einer Lautsprecheranlage verstärkt, die jede Großraumdiskothek alt aussehen lässt.

Das Aktionärstreffen von Siemens ist eines der größten im Lande und geizt deshalb nicht mit beeindruckenden Fakten. Es markiert zudem den Start in die Hauptversammlungs-Saison für die großen deutschen Börsenfirmen. Das liegt daran, dass bei dem Konzern das Geschäftsjahr am 30. September zu Ende geht, während bei den meisten Aktiengesellschaften die Wirtschaftsperiode erst am 31. Dezember endet. Doch egal wann sich Aufsichtsräte und Vorstände den Anlegern stellen müssen: Die Angst vor der Finanz- und Wirtschaftskrise wird nach Einschätzung von Aktionärsschützern die meisten Treffen bestimmen.

"Es wird heuer weniger darum gehen, wie sich das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr gemacht hat", sagt Harald Petersen, stellvertretender Vorsitzender bei der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Wichtiger werde die Frage sein, wie die Firmen durch die trüben Monate kommen, die Konjunkturexperten vorhersagen. Petersen: "Da müssen sich einige Vorstände auf harte Fragen gefasst machen." Das gilt nach seinen Worten vor allem für die Manager der taumelnden Großbanken.

"Das Jahr 2008 ist für die meisten Unternehmen nochmal sehr gut zu Ende gegangen", sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Erwartungen seien in der Regel nicht enttäuscht worden. Deshalb sieht auch die Münchner Anwältin Zukunftsfragen als die zentralen Gesprächsthemen auf den anstehenden Hauptversammlungen an. "Erst jetzt werden Aktionäre merken, ob sich Unternehmen in guten Zeiten krisenfest aufgestellt haben", sagt Bergdolt, die jährlich bei bis zu 20 Aktionärstreffen als Fragestellerin auftritt.

In Wallung dürfte einige Anleger bei den Zusammenkünften der desaströse Kursverlauf ihrer Aktien bringen. Zwar haben fast alle Titel zweistellige prozentuale Abstürze hinter sich; der Dax verlor auf Sicht der letzten zwölf Monate 35 Prozent. Doch einige Titel vor allem aus der Auto- oder Bankenbranche stürzten weit tiefer als der Durchschnitt. "Gerade bei den Finanzwerten dürfte das für Zündstoff  sorgen", sagt Petersen.

DSW-Juristin Daniela Bergdolt bereitet sich auf stürmische Hauptversammlungen in München vor. Eskalieren könnte die Lage ihrer Ansicht nach am 18. Mai bei der Hypo Real Estate, die ohne Staatshilfe zusammengebrochen wäre. "Das wird einen Showdown geben", sagt Bergdolt. Nicht minder turbulent wird es ihrer Ansicht nach beim Modekonzern Escada oder der Senderkette ProSiebenSat.1 zugehen. Die Aktien beider Gesellschaften sind keine zwei Euro mehr wert, was neben der Finanzkrise auch an Managementfehlern liege.

Fachleute empfehlen Kleinaktionären, Hauptversammlungen immer zu besuchen. "Dann sieht man, wem man sein Geld anvertraut hat", sagt Bergdolt. Als Trost gebe es für enttäuschte Anleger wenigstens ein Mittagessen.

Florian Ernst

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