Geldautomaten: Datenklau nimmt drastisch zu

Berlin - Mit Datenklau an Geldautomaten haben Betrüger im vergangenen Jahr in Deutschland alleine bei EC-Karten einen Schaden von schätzungsweise 60 Millionen Euro verursacht.

Der Datenklau an Geldautomaten hat drastisch zugenommen. Allein bei EC-Karten verursachten Betrüger im vergangenen Jahr in Deutschland einen Schaden von schätzungsweise 60 Millionen Euro. Das waren 20 Millionen Euro mehr als noch 2009, wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Dienstag in Berlin mitteilte. Die Zahl der registrierten Angriffe auf Geldautomaten stieg um mehr als die Hälfte auf 3183 Fälle.

Nach Angaben von BKA-Präsident Jörg Ziercke wurden etwa 190 000 Kartenkunden Opfer von sogenannten Skimming-Delikten. Dabei manipulieren Kriminelle Geldautomaten, um an die Kartendaten auf den Magnetstreifen und die Geheimzahl zu kommen. Im März seien erstmals in Deutschland auch Fälle bekanntgeworden, bei denen Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn manipuliert und Kartendaten samt Geheimzahl gestohlen wurden.

Wegen der Umstellung auf Chiptechnik erwarten Behörden und Kreditwirtschaft künftig aber einen Rückgang der Kartenkriminalität. Bereits in den ersten vier Monaten 2011 sei die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent gesunken, sagte der Geschäftsführer von Euro Kartensysteme, Hans-Werner Niklasch. Die Frankfurter Firma ist ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Kreditwirtschaft.

Die deutschen Banken und Sparkassen haben ihre Karten neben den Magnetstreifen mittlerweile fast zu 100 Prozent mit Chips ausgestattet. Zahlungen und Geldabhebungen per EC-Karte sollen nach und nach nur noch über den elektronischen Chip abgewickelt werden.

“Der Magnetstreifen wird mittelfristig tot sein“, sagte Niklasch. Das werde aber noch drei bis vier Jahre dauern, der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) arbeite daran. Das Bundeskriminalamt fordert schon seit langem eine schnelle Umstellung ausschließlich auf Chip-Technik. Die Geldinstitute halten den Magnetstreifen aber vorerst noch für unverzichtbar, weil er im Ausland, vor allem außerhalb Europas, vielerorts noch gebraucht wird. “Größtes Problem sind die USA, die noch nicht auf Chip-Technik umsteigen“, sagte Niklasch.

Um Kartenbetrügern das Leben schwer zu machen, appellierte Ziercke an die Banken, die Einsatzmöglichkeiten für EC-Karten mit Magnetstreifen zu begrenzen. So könnten Karten für einen Einsatz in “Nicht-Chip-Ländern“ grundsätzlich deaktiviert werden. Wenn ein Kunde die Karte dort verwenden wolle, müsse er sie erst aktivieren lassen. Einige Kreditinstitute griffen bereits zu dieser Maßnahme, sagte Ziercke. Sinnvoll sei es zudem, wenn Kartenkunden von ihrer Bank sofort per SMS über Auslandsumsätze mit ihrer Karte informiert würden. Die Kreditwirtschaft erstattet Kartenkunden durch Skimming entstandene Schäden.

Am Täterkreis hat sich nach BKA-Angaben nicht viel geändert. Die Kartenbetrüger stammen zumeist aus Rumänien und Bulgarien. Sie rücken den Geldautomaten mit Minikameras, Mikrofonen und Tastaturattrappen zuleibe, die für den normalen Bankkunden so gut wie nicht zu erkennen seien. Die ermittelten Kartendaten und Geheimzahlen übertragen die Täter auf Kartenrohlinge mit Magnetstreifen. Mit diesen “White Plastics“ wird dann im Ausland Geld abgehoben, zunehmend in Südafrika, Kenia, den USA, Kanada und der Dominikanischen Republik.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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