Die Daten-Feuerwehr wartet auf den Einsatz-Befehl

- München - Die Kreditkarte ist verloren gegangen, das Handy gestohlen oder die EC-Karte unauffindbar - darauf gibt es nur eine richtige Reaktion: sperren lassen. Aber wie? Die meisten Verbraucher haben die Service-Rufnummern nicht bei sich, um Karten und Mobiltelefone außer Kraft zu setzen, bevor sie missbraucht werden. Die Folge: Millionenschäden jede Woche in Deutschland. Abhilfe soll eine Sperr-Zentrale schaffen. Die Feuerwehr der Informationsgesellschaft ist geplant. Nur mit dem Ausrücken hat sie Probleme.

<P>114 - so einfach soll künftig telefonisch Hilfe gerufen werden, wenn Karten oder andere elektronische Berechtigungen verloren gehen. Die Zentrale fragt nach Kartenart oder Handyvertrags-Geber und stellt dann durch zum passenden Sperrdienst. So stellt sich das Michael Denck vor. Der DZ-Banker sitzt im Vorstand des Sperr eV, einer Interessenvereinigung, der vor allem Finanzwirtschaft und Telekom-Unternehmen angehören. Mit der Daten-Feuerwehr wäre Deutschland Löschmeister in der Welt der Geheimnummern. Noch hat kein Land ein derartiges System zu Stande gebracht.<BR><BR>EU-Kommission ist an Projekt interessiert</P><P>"Grundsätzlich wäre es zu begrüßen, wenn es eine einheitliche Nummer gibt", sagt Maren Geisler, Bankenexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Die EU-Kommission ist an dem Projekt interessiert. Bundesinnenminister Otto Schily gibt als Schirmherr seinen Segen. Doch in der Feuerwehr-Ausfahrt parkt das Schwerstbewegliche, das es in Deutschland gibt: die Bürokratie.<BR><BR>Das Bundesinnenministerium hat den Bedarf erkannt. Es hat ihn angemeldet beim Bundeswirtschaftsministerium. Das beauftragt die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Die soll eine entsprechende Nummer einrichten - und das zieht sich hin. "Es ist noch keine Entscheidung gefallen", heißt es im Wirtschaftsministerium und bei der Regulierungsbehörde. Zwar sind sich alle einig, dass die Sperr-Hotline sinnvoll ist. Doch muss noch beraten werden, ob die Daten-Feuerwehr mit der dreistelligen Nummer 114 auf das Niveau von Polizei und Notarzt gehoben werden sollte, oder mit einer vierstelligen Ziffernfolge (zum Beispiel 0200) eine Abgrenzung in der Telefonwelt manifestiert werden muss. Diese Erörterung wird wohl noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Trotzdem hat Denck den Glauben an das System nicht verloren.<BR><BR>"Es wird kommen. Und wir werden im zweiten Quartal 2004 so weit sein, dass die Bevölkerung es nutzen kann", sagt der Sperr-eV-Chef. Steht die Nummer fest, stellt sich die Frage der Anschub-Finanzierung. Die Einrichtung kostet etwa zwei Millionen Euro. Der Bund soll nach Sperr-eV-Plänen dafür aufkommen oder sich zumindest für einen entsprechenden Kredit verbürgen. Im späteren Betrieb ist die Finanzierung durch die angeschlossenen Unternehmen vorgesehen. Der Anruf bei der Sperr-Zentrale soll für Verbraucher aus dem Inland gratis sein - wenngleich damit zu rechnen ist, dass Banken und Handynetzbetreiber ihre Kosten auf die Kunden abwälzen. Doch dieses Geld wäre wohl sinnvoll investiert.<BR><BR>Die Sperr-Zentrale im Internet: www.sperr-ev.de<BR></P>

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