Dauer-Demo vor der Landesbank: Aero-Lloyd will wieder starten

- München - Es sind 900. Sie schreien, pfeifen, rasseln, tröten, es ist ein Höllenlärm vor dem Gebäude der Bayerischen Landesbank. Auf dem Flur des Vorstands ist es still, kaum ein Laut dringt durch. Während draußen die Mitarbeiter der insolventen Aero-Lloyd demonstrieren, wird drinnen ihr Schicksal beraten. Es sieht nicht gut aus, gibt aber Hoffnungsschimmer.

<P>Der Flugbetrieb soll in den nächsten Tagen schrittweise wieder starten, vermutlich über die österreichische Minderheitsbeteiligung Aero-Lloyd Austria, die nicht von der Insolvenz betroffen ist, sickerte am Abend durch. Ab morgen könnten zwei Maschinen fliegen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Gerhard Walter will die zum Teil von der Landesbank finanzierten Flieger nach der Pleite möglichst bald wieder starten lassen. Insider errechneten dafür zunächst 25 Millionen Euro Finanzbedarf.<BR><BR>Aero-Lloyd bekommt Kerosin und Startgenehmigungen nur noch gegen Vorkasse. Die Verhandlungen mit der Landesbank, die Gläubiger und Mehrheitseigentümer ist, haben begonnen. Gestern beantragte Walter die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes beim Arbeitsamt. Am Abend traf er sich erneut mit Bank-Vorständen in München.<BR><BR>"Die Vorstandssessel müssen vibrieren", toben derweil draußen die Redner mehrere Stunden lang. "Wir wollen Steuern zahlen", skandieren die Mitarbeiter, die schon 1998 auf zehn Prozent ihres Gehalts verzichteten, um die Personalkosten zu drücken. Nach der Insolvenz dürften, falls überhaupt, nur wenige Jobs übrig bleiben.<BR><BR>Am Donnerstag hatte die halbstaatliche Bank abrupt den Geldhahn zugedreht. Die Piloten, Stewardessen und Techniker werfen Landesbank-Chef Werner Schmidt eine Interessenkollision vor: Er, der Lufthansa-Aufsichtsrat, habe gezielt Aero-Lloyd den Todesstoß versetzt. "Der Kranich - ein Geier?", steht auf Transparenten. Von der Landesbank fordern die Demonstranten, die Finanzierung zu sichern, damit der Flugbetrieb starten kann.<BR><BR>Schmidt schweigt, ließ aber von Vorstand Gerhard Gribkowsky eine fünfköpfige Aero-Lloyd-Delegation zu einem über anderthalbstündigen Gespräch empfangen. Gribkowsky sagte nach Informationen unserer Zeitung zu, eventuelle Arbeitsplatzgarantien würden eingehalten - bisher liegen solche Verträge den Instituten aber nicht vor.<BR><BR>Hinter verschlossenen Türen dementierten die Banker jegliche Interessenskonflikte ihres Chefs. Auch dass andere Fluglinien nach der Insolvenz so schnell einsprangen und die Aero-Lloyd-Passagiere aufnahmen, sei Zufall gewesen.<BR><BR>"Weder kurzfristig noch leichtfertig"</P><P>Man habe "Verständnis für die Sorgen der von der Insolvenz betroffenen Mitarbeiter", sagte ein Bank-Sprecher anschließend. Die beteiligten Institute hätten Aero-Lloyd aber "weder kurzentschlossen noch leichtfertig fallengelassen". Man wolle nun mit dem Insolvenzverwalter konstruktiv zusammenarbeiten.<BR><BR>Die Mitarbeiter sollen morgen auf einer Versammlung in Oberursel über Details informiert werden. Der Unmut über die Landesbank hält derweil an. Die Linie könne rentabel betrieben werden, glauben die Beschäftigten. Rentabler jedenfalls als andere Landesbank-Engagements, klagt Gewerkschafter Detlef Labow: "Wir sind keine Briefkastenfirma und kein Medienunternehmer."<BR><BR></P>

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