David aus München siegte über US-Goliath

- München - Sich als ausländische Medienfirma in Hollywood mit den Platzhirschen der US-Filmindustrie anzulegen, ist ein gewagtes Unterfangen. Die Münchner Intertainment hat es riskiert und gegen alle Unkenrufe der Branche den für sie existenziell wichtigen Prozess in Santa Ana gewonnen. Ihr trickreicher US-Partner Elie Samaha soll nach der Entscheidung des US-Gerichts gut 77 Millionen Dollar Schadenersatz an Intertainment zahlen. Die Summe könnte sogar noch aufgestockt werden.

Auch bei Intertainment wusste man, dass man sich auf unsicheres Terrain vorwagte. "Gott sei Dank hat die Jury unsere Argumente anerkannt, die stichhaltig waren", sagte Konzernchef Rüdiger Baeres. Intertainment, einst eine der Erfolgsgeschichten am Neuen Markt, könnte nun eine zweite Chance bekommen.<BR><BR>In Zeiten des Börsenbooms rissen sich die deutschen Medienfirmen - die Kassen dank der Börsengänge gut gefüllt - um Kooperationen mit Hollywood. In den USA machte angesichts der Fabelpreise für Filmlizenzen das Schlagwort vom dummen Geld aus Deutschland die Runde.<BR><BR>Auch Samaha wollte davon profitieren und schloss einen Lizenzdeal mit Intertainment ab. 60 von Franchise produzierte Filme wollten die Münchner übernehmen. Doch irgendwann fiel auf, dass Franchise seinem deutschen Partner höhere Planungen und Rechnungen vorlegte als seinen Banken und Versicherungen in den USA. Nach einiger Zeit gab Samaha die überhöhten Budgets zu, behauptete aber, dies sei Teil des Deals, und Intertainment habe davon gewusst.<BR><BR>Auch wenn Samaha die besten Anwälte engagierte, siegte Intertainment auf ganzer Linie. Zwar sagt ein Branchenkenner: "Ich glaube nicht, dass die 77 Millionen Dollar wirklich zu holen sind." Samaha sei zu gewieft und habe seine Vermögenswerte möglicherweise schon anderswo geparkt. Nun kann Intertainment aber die Klage gegen die Comerica Bank und zwei Versicherungsgesellschaften vorantreiben.

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