Dax: Bei 5500 den Boden gebildet?

- München - Die Börse spielt weiter Achterbahn. Der Dax setzte in dieser Woche seine Berg-und-Tal-Fahrt fort und unterschritt erstmals seit Jahresanfang wieder die Marke von 5500 Punkten. Der M-Dax mittelgroßer Werte gab auch deutlich ab. Es hat sich zu viel Optimismus aufgestaut: "Vor allem bei den Aktien aus den Emerging Markets sowie bei kleinen und mittleren Werten sind die Märkte ziemlich überhitzt", meint Eberhard Weinberger von der Münchner Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG.

Festmachen ließe sich die wieder schlechtere Stimmung an den Börsenbriefen und der put-call-ratio, sprich dem Verhältnis zwischen Bären und Bullen an der Börse.

"Eine große Frage ist, was die US-Notenbank macht", sagt Weinberger. "Wenn der Fed-Chef Ben Bernanke die Zinsen weiter erhöht, wird der Grat schmaler." Die heute erwartete Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank macht dem Börsenexperten dagegen weniger Sorge: "Sie wird wohl kommen, aber ein Viertelchen hoch macht den Kohl nicht fett."

Deutsche Aktien, vor allem Standardaktien, seien im internationalen Vergleich immer noch attraktiv bewertet. Der Dax könnte bei 5500 Punkten allmählich den Boden gefunden haben. Die Konsolidierung, die seit Mitte Mai eingetreten ist, könnte aber noch etwas anhalten. "Eigentlich müsste der Dax aufgrund seiner günstigen Bewertung weniger einbüßen als andere Märkte", urteilt Weinberger. Dafür sprächen folgende Gründe: Die Schulden Deutschlands seien niedriger als die der USA, die Sparquote hoch und der Export supergut. Eine deutliche US-Zinserhöhung aber würde die Hoffnung auf eine schnelle Fortsetzung des Aufwärtstrends dämpfen.

Auch Peter Worel, Direktor Research der BayernLB, sieht zwei große Einflüsse: Negativ zu Buche schlage sich neben der Zinserhöhungsgefahr aus den USA der hohe Ölpreis. Dagegen stünden auf der Positivseite die günstigen Bewertungen und steigenden Unternehmensgewinne in Deutschland. Zudem dürften mangels renditeträchtiger Alternativen Gelder von Versicherungen den Aktienmarkt wieder mit stützen.

Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, sieht in den USA sogar die Gefahr einer Stagflation, das heißt einer Zeit mit geringem oder sinkendem Wachstum bei gleichzeitig hoher Inflation. "Weite Teile der US-Wirtschaft sind international nicht mehr wettbewerbsfähig. Wir sehen eine Wirtschaft, die großteils auf Spekulationsblasen aufgebaut ist", sagte Hellmeyer gegenüber dem "Manager Magazin". Der Dax könnte seiner Meinung nach in den nächsten drei Monaten auf 5200 Punkte zurückfallen. Er sehe vorerst keine Ende der Korrekturphase.

Auch die HypoVereinsbank, die in ihren Portfolien den Aktienanteil weiter leicht untergewichtet, stuft das Chance-Risiko-Verhältnis an den Aktienmärkten "noch als ungünstig" ein. Das gelte für das saisonüblich schwächere dritte Quartal. Aber im Gegensatz zu japanischen und US-Aktien stelle sich laut HVB die Situation etwas positiver dar: "Allmählich gut unterstützt erscheinen uns europäische Titel, die in den Portfolios unverändert knapp neutral gewichtet sind."

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