Was aus den Dax-Absteigern wurde

München - Der Dax bildet die Schwergewichte der deutschen Wirtschaft ab. Doch was wurde aus Unternehmen, die den Index verlassen mussten?

Adidas steht im Dax ganz vorn, ist aber dort ein junger Hüpfer. Seit neun Jahren ist die Firma vertreten. Die Mitgliedschaft von Infineon und der Deutschen Börse ist noch jünger. Doch was ist aus Unternehmen geworden, die einmal zu den Schwergewichten der deutschen Wirtschaft gehörten und gehen mussten?

Da war als Erstes Feldmühle Nobel - der von der Familie verkaufte industrielle Kern des Flick-Imperiums. Es gehörte zu den großen zehn der deutschen Industrie und 1987 zu den Dax-Gründungsmitgliedern. Drei Jahre später wurde der Konzern von der skandinavischen Stora Enso übernommen - und im Dax durch die Metallgesellschaft ersetzt.

Ausgerechnet die Metallgesellschaft kaufte große Teile von Feldmühle Nobel zurück. Trotz des größeren Gewichts hielt sie sich nur sechs Jahre im Dax. Sie musste der Telekom weichen. Die Metallgesellschaft firmiert heute unter dem Namen ihrer Ex-Tochter Gea im M-Dax - Wiederaufstieg nicht ausgeschlossen.

Zeitgleich mit Feldmühle Nobel flog auch Nixdorf aus der Aktien-Oberklasse - und wurde durch Preussag (heute Tui) ersetzt. Der Computerhersteller wurde 1990 Teil des Siemens-Konzerns. Nachdem Siemens sich 1999 von Teilen dieses Geschäfts trennte, wurde dieser als Wincor Nixdorf wieder an die Börse gebracht - und notiert nun im M-Dax.

Feldmühle Nobel und Nixdorf gingen durch Fusionen. Der erste wirkliche Dax-Absteiger war 1995 Babcock - der Industriekonzern musste dem Software-Aufsteiger SAP weichen. Nach zahlreichen Umstrukturierungen - zeitweise gehörte das Unternehmen zu Preussag - war das nun als Babcock-Borsig firmierende Unternehmen 2002 pleite. Nach dem Verkauf aller Töchter ist die Holding eine leere Hülle - aus der kaum noch etwas werden kann. Wenig spektakulär kam das Ende für Kaufhof. Die Kette wurde nach der Fusion mit Metro durch den Partner ersetzt. Metro verteidigte den Dax-Platz bis heute.

Einer nur kam zurück: Der traditionsreiche Reifenhersteller Continental verlor seinen Dax-Platz 1996 an die Münchner Rück. Nach hartem Sanierungskurs und zum Autozulieferer umgebaut gelang 2003 der Wiederaufstieg.

Die spektakuläre Fusion der beiden Münchner Geldhäuser Vereinsbank und Hypobank zur HypoVereinsbank (HVB) machte 1998 den Platz frei, den seither Adidas im Dax einnimmt. Der Bank half Größe nicht. Faule Altlasten machte sie zum Übernahmekandidaten und schließlich zur Tochter der italienischen Unicredit. Immerhin bekam mit Hypo Real Estate eine Ex-HVB-Tochter 2005 den Dax-Platz.

Degussa übernahm 1999 dieVeba-Tochter Hüls und wurde zur Degussa Hüls. Die Degussa-Hüls übernahm 2000 von Viag SKW-Trostberg und wurde wieder Degussa. Beide Übernahmen steigerten das Gewicht der beiden Großaktionäre. Nach der Fusion von Viag und Veba zu Eon wurde Degussa mangels handelbarer Aktien in den M-Dax abgeschoben. Nach weiteren Rochaden ist Degussa über die Ruhrkohle AG und deren Abwicklung nun die wichtigste Tochter der neuen Evonik AG.

Auch der Chemiekonzern Hoechst wurde 1999 aus dem Dax fusioniert. Die Vereinigung mit Phone Poulenc zu Aventis war nur ein Zwischenschritt zur Eingliederung in den neugebildeten französischen Chemieriesen Sanofi.

Seltener wurde der Kampf um eine Übernahme aufwendiger betrieben: Am Ende war der einstige Industriekonzern Mannesmann - der sich durch mehrere Übernahmen zum Telekommunikationsriesen gewandelt hatte - so geschwächt, dass er Vodafone nichts mehr entgegensetzen konnte. Der Dax-Ersatz Epcos, eine Siemens-Ausgliederung, hielt sich dort nur knapp drei Jahre.

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