Wahlen schicken Börsen auf Talfahrt

Frankfurt/Main - Machtwechsel in Frankreich, Anti-Euro-Stimmung in Griechenland: Nach den Wahlen vom Sonntag ist die Sorge um Europa wieder da. Die Unsicherheit drückt die Stimmung an den Börsen.

Ob Frankfurt, Paris oder Tokio - an den Börsen rund um den Globus regiert am Montag nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland die Sorge. Der Dax startet mit kräftigen Einbußen in die neue Handelswoche, der EuroStoxx 50, der Leitindex der Eurozone, fällt zwischenzeitlich auf ein Jahrestief, der japanische Nikkei-Index sackt auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Die Unsicherheit ist groß, dass der Machtwechsel in Frankreich und vor allem die Anti-Euro-Stimmung in Griechenland den Kontinent wieder tief in die Krise stürzen könnten.

Der Sieg des Sozialisten François Hollande in Frankreich mache “den Kampf gegen die Staatsschuldenkrise noch komplizierter“, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Hollande hatte sich im Wahlkampf gegen den von Deutschland geforderten strikten Sparkurs beim Euro-Krisenmanagement gestellt. Für Frankreich und Deutschland sei es nun schwieriger, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen, meint Krämer - Konsequenz: “Die EZB wird die Peripherieländer länger als befürchtet de facto mit der Notenpresse finanzieren.“

Europas Währungshüter sähen es indes lieber, sie könnten sich allmählich aus ihrer Krisenpolitik des extrem billigen Geldes verabschieden. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, nahm nach der jüngsten EZB-Ratssitzung in Barcelona am Donnerstag die Politik in die Pflicht: “Wir müssen einen Pfad für den Euro festlegen: Wo wollen wir in zehn Jahren stehen?“ Draghi fordert, den angestrebten Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin durch einen Wachstumspakt zu flankieren. Vor allem Arbeitsmärkte müssten flexibler werden.

Sparen und investieren zugleich - das ist auch aus Sicht vieler Ökonomen der Königsweg aus der Krise. “Der ideale Wachstumspakt wäre für mich: Mehr Schwergewicht auf Wirtschaftsreformen und im Gegenzug mehr Zeit für die Haushaltskonsolidierung in Ländern, die diese Reformen wirklich umsetzen“, erklärte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank.

Schmieding sieht zwar längerfristig die Gefahr, dass “in Frankreich die Reformen, die dort notwendig sind, nicht passieren“. Kurzfristig jedoch sind die beiden größten Volkswirtschaften Europas, die Nachbarn Frankreich und Deutschland, aus seiner Sicht angesichts der prekären Lage zur Einigkeit gezwungen.

Wer ist im DAX?

Wer ist im DAX?

“Ich glaube die Regierungen und letztlich auch die EZB müssen den Märkten klar signalisieren, dass sie ein Übergreifen der griechischen Krise auf andere Länder nicht zulassen werden“, sagte Schmieding. “Das erste ist, dass Deutschland und Frankreich eine gemeinsame Position finden, das ist für die Märkte wichtig. Das zweite wäre, dass die europäischen Institutionen klarstellen, dass es notfalls für Länder wie Spanien und Italien Hilfe gäbe.“

Das kleine Griechenland hält die Märkte im Grunde mehr in Atem als der - zuletzt erwartete - Umschwung in Frankreich. In Athen droht eine Regierungskrise. Dem Pleitekandidaten läuft die Zeit davon: Anfang Juni wollen die Geldgeber kontrollieren, was die Griechen mit den geliehenen Milliarden machen.

Schon wird wieder über ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro spekuliert. Die Wahrscheinlichkeit schätzt Ökonom Schmieding auf mindestens 40 Prozent: “Das wäre der Ernstfall.“ Dann müsste sich beweisen, ob die Brandschutzmauern der Euro-Retter halten. Für Beruhigung an den Märkten sorgen solche Aussichten indes nicht.

dpa

Rubriklistenbild: © dapd

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