Dax-Hoch und Euro-Tief: Während der Dax am Freitag kurzzeitig über 11 600 Punkte gestiegen ist, fiel der Eurokurs nach einem starken US-Arbeitsmarktbericht unter die Marke von 1,09 US-Dollar. Am Nachmittag erreichte die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,0861 Dollar den tiefsten Stand seit über elf Jahren. Im frühen Handel hatte der Euro noch über der Marke von 1,10 Dollar notiert. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,0963 Dollar fest.

Interview

Dax-Rekord: „Die Kurse sind gut abgesichert“

München - Die Börse eilt von Rekord zu Rekord. Was bedeutet der Dax-Höhenflug für die Anleger, was gilt es zu beachten?  Was ein Aktienstratege dazu sagt:

Am Freitag hat sich der deutsche Leitindex erstmals an der Marke von 11 600 Punkten versucht. Nachdem er am späteren Nachmittag kurz bis auf 11 600,37 Punkte stieg, ging er am Ende mit plus 0,41 Prozent auf 11 550,97 Punkte ins Wochenende. Damit geht es für den Dax nun bereits seit acht Wochen unablässig nach oben, was seit rund eineinhalb Jahren nicht mehr vorgekommen ist. Wo liegen die Gründe? Gibt es eine Blase? Was sollen Anleger tun? Darüber sprachen wir mit Fidel Helmer, Aktienstratege mit jahrzehntelanger Erfahrung beim Bankhaus Hauck&Aufhäuser.

Jeden Tag ein neuer Rekord am Aktienmarkt. Was sind die Gründe für den andauernden Höhenflug?

Es ist sehr viel an den Finanzmärkten unterwegs, das nach rentabler Anlage sucht. Dazu kommen die niedrigen Zinsen. Es werden zudem immer mehr Anleihen fällig. Sowohl institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionskassen, aber auch private Anleger stellen fest, dass neue Anleihen praktisch keine Zinsen mehr bringen. Also suchen sie Alternativen. Und das sind derzeit Aktien, vor allem deutsche Aktien.

Was zeichnet gerade deutsche Aktien aus?

Die Unternehmen stehen gut da und sie zahlen für 2014 ansehnliche Dividenden. Die Nachrichten aus den Firmen sind fast ausnahmslos hervorragend. Mehr noch: Viele kündigen bereits weiter steigende Ausschüttungen an. Das treibt die Aktienmärkte. Deutsche Standard-Aktien sind im Moment die einzigen Papiere, die noch eine vernünftige Rendite von drei bis vier Prozent abwerfen. Insofern sind deutsche Aktien in jedem Fall ein gutes Investment.

Seit Oktober ist der Dax um mehr als 35 Prozent gestiegen. Seit Jahresanfang um rund 17 Prozent. Die Kurse sind relativ hoch. Da ist es doch zu spät, um noch Aktien zukaufen.

Wir haben schon ohne Zweifel ein hohes Niveau erreicht. Ich hatte eigentlich für Mai 2015 mit 11 000 Punkten im Dax geliebäugelt. Jetzt steht er rund 500 Punkte höher. Viele Anleger warten auf eine technische Reaktion und darauf, dass es mal 300 oder 400 Punkte nach unten geht. Aber weil so viel Geld im Markt ist und Alternativen fehlen, stehen dann sofort wieder die Käufer auf der Matte.

Man muss also keine Angst haben?

Nein. Das aktuelle Niveau ist kein Ausdruck einer Blase. Die Kurse sind fundamental gut abgesichert, durch gute Unternehmenszahlen, durch verbesserte Konjunkturaussichten. Zudem wirken der schwache Euro, der den Export stützt, und der niedrige Ölpreis wie zwei kleine Konjunkturprogramme. Die Kostenentlastung für die Firmen ist immens. Und auch der Verbraucher hat mehr Geld in der Tasche, weil die Tank- und Heizöl-Rechnung deutlich geringer ist.

Gibt es keine Risiken?

An den geopolitischen Problemen hat sich nichts geändert. Das gilt für die Ukraine und Russland, das gilt für den Nahen Osten. Auch die Lage in Griechenland ist diffizil. Was wiederum auch die Eurozone belastet. Sollte es wirklich schlechte Nachrichten geben, kann die Börse zwei oder drei Tage kräftig nach unten gehen bevor sich die Kurse wieder erholen. Weil es auch keine Alternative zu Aktien geben wird.

-Wer kauft denn zur Zeit Aktien? Ausländer?

Investoren aus dem Ausland spielen eine wichtige Rolle. Die Amerikaner waren mit Blick auf den deutschen Markt schon immer die mutigsten Anleger. Zudem ist der Euro für sie derzeit sehr preiswert. Für US-Anleger winken nicht nur Kurs-, sondern auch Währungsgewinne.

Wie geht es in den nächsten Wochen und Monaten weiter?

Ich rechne zwar täglich mit einem Rücksetzer. Aber im Prinzip bleibt es beim Aufwärtstrend. Das Umfeld für die Börse stimmt. Zudem beginnt die Europäische Zentralbank (EZB) ihr gigantisches Anleihekaufprogramm. Sie pumpt jeden Monat 60 Milliarden Euro zusätzlich in den Markt, das auch nach attraktiver Anlage sucht. Da kommt niemand an Aktien vorbei. Von Zinserhöhungen ist im Übrigen weit und breit keine Rede.

-Warum hält sich der Privatanleger immer noch zurück?

Vielen ist das Niveau derzeit zu hoch und sie haben Angst jetzt noch aufzuspringen, um dann zu verlieren. Das Risiko ist sicher da. Das gilt auch für Profis. Aber die Angst ist nicht berechtigt. Auf Sicht von Jahren sowieso nicht. Über einen längeren Zeitraum werfen Aktien mehr ab als Anleihen. Aber sicher können die Kurse auch schwanken.

Haben denn alle Aktien die rasante Bergfahrt mitgemacht?

Nein. Es gibt immer noch Papiere im Dax oder unter den mittelgroßen Werten im MDax, die die Entwicklung der letzten Wochen und Monate gar nicht mitgemacht haben. Solche Papiere schauen sich gerade professionelle Anleger sehr genau an. Denken Sie nur an die Deutsche Bank, an die Commerzbank, an Eon oder RWE. Das sind nur einige Werte, die gewaltigen Nachholbedarf haben.

Wagen Sie eine Prognose für das Jahresende?

Rückschläge wird es geben. Ich sage aber trotzdem: 12 000 Punkte. Aber die Geopolitik bleibt natürlich ein Risiko.

Sie sehen keine Blase?

Nein. Der Aufschwung an der Börse ist fundiert und lässt sich sehr gut begründen.

Interview: Rolf Obertreis

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