Im Aufwind: Der Dax – hier die Börse in Frankfurt – könnte schon bald sein Allzeithoch von 8150 Punkten erreichen. Foto: dpa

"Noch Luft nach oben"

Top Nachricht für Aktionäre: Dax auf Rekordkurs

Frankfurt - Der Euroraum dümpelt in der Rezession, die Schuldenkrise ist nicht gebannt. Doch nach dem rasanten Höhenflug 2012 hat der Dax sein Allzeithoch von 8150 Punkten im Visier.

Gute Zeiten für Aktionäre: Nach einem Traumjahr an der Börse geht die Rallye weiter. Zwar ist der deutsche Leitindex Dax am Montag nach seinem Fünfjahreshoch vom Freitag auf der Stelle getreten. Doch Beobachter bleiben zuversichtlich: „Wenn es diese Woche gute Konjunkturdaten aus den USA gibt und Unternehmen in der Berichtsaison gute Ausblicke liefern, kann die psychologische Marke von 8000 Punkten genommen werden“, sagt Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank.

Der Optimismus hat viele Gründe. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten sind abgeebbt, die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone ist vorerst verschwunden. Für Deutschlands Leitindex ist selbst das Allzeithoch nah, sagt Roger Peeters von Close Brothers Seydler Research: „Der von der Liquidität getriebene Aufwärtstrend scheint stark genug zu sein.“ Auch das Umfeld stimme, denn die meisten Unternehmen lieferten solide Zahlen, und die konjunkturellen Daten seien besser als zuletzt.

Auch in Deutschland dürfte die Konjunktur die Talsohle erreicht haben und bald wieder anziehen, in den wichtigen Volkswirtschaften China, Brasilien und den USA deuten die Frühindikatoren ebenfalls auf eine Belebung hin. „Selbst in unseren krisengeschüttelten europäischen Nachbarländern scheint die Abwärtsbewegung allmählich auszulaufen“, sagt Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud.

Zwar habe der Dax seit Sommer 2012 viel Positives vorweggenommen, sodass der Aufstieg trotz Rückenwinds allmählich beschwerlicher werde. Ein Ende des Höhenflugs sieht Traud deshalb aber nicht: „Trotzdem wird der Dax in diesem Jahr historische Höchststände erreichen und die Marke von 8200 Indexpunkten überschreiten.“

Ein neues Allzeithoch erwartet auch die Commerzbank. „Auch wenn der Dax bereits Höhenluft schnuppert, gibt es noch Luft nach oben“, sagte Chris-Oliver Schickentanz, verantwortlich für die Anlage- und Wertpapierstrategie im Privatkundengeschäft der Commerzbank. „Konkret sehen wir derzeit auf Jahressicht noch ein Restpotenzial von etwa acht Prozent.“

Halver vernimmt an den Börsen einen „Dreiklang der Glückseligkeit“ aus reichlich Liquidität, anziehender Konjunktur und einem Mangel an Alternativen. Die Zinsen dümpeln auf Rekordtief, der Rentenmarkt bietet magere Renditen, meist unterhalb der Inflation. Halver ist überzeugt, dass die Notenbanken die Zinsen noch lange niedrig halten werden.

Doch nicht alle der 30 Dax-Unternehmen treiben den Aufschwung gleichermaßen. Während etwa BMW und Volkswagen, deren Autos in Übersee gefragt sind, ihren Aktienkurs seit 2008 verdoppeln konnten, notieren die Papiere der teilverstaatlichten Commerzbank noch immer um gut 90 Prozent unter ihrem damaligen Wert.

Mit trüberen Aussichten meldete sich Postbank-Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein kürzlich zu Wort. Der „hohe Grad an Optimismus“ an den Aktienmärkten stimme eher vorsichtig mit Blick auf die weitere Entwicklung, heißt es in einer Analyse der Deutsche-Bank-Tochter: „Hier schlummert nach unserer Ansicht ein nicht zu unterschätzendes Risiko für eine vorübergehende Kurskorrektur.“

Ausgelöst werden könnte das zum Beispiel dadurch, dass die Bilanzzahlen von Konzernen die Erwartungen enttäuschten. „Bei Einzelwerten wie SAP oder Intel war solch eine Reaktion auf enttäuschende Geschäftszahlen schon zu beobachten.“ Zudem hätten „Dax & Co. mit der Rallye im 2. Halbjahr 2012 eine konjunkturelle Belebung und ein Abebben der Schuldenkrisen beiderseits des Atlantiks schon zu einem erheblichen Teil eingepreist“.

Von H. Schmidt, J. Bender und S. Habit

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