Unter die Marke von 10 000 Punkten

Dax stürzt ab: Was Anleger jetzt beachten sollten

Frankfurt - Die China-Krise hat den Dax wieder unter die Marke von 10.000 Punkten gedrückt. Auch weltweit gingen die Aktienkurse in die Knie. Das müssen Anleger jetzt beachten.

Es war kein quälend langes Ringen um die psychologisch wichtige Marke von 10 000 Punkten. Gleich zum Börsenstart fiel am Montag der Dax um über 300 Punkte auf 9805,72. Viel gab es danach auch nicht mehr zu holen. Der Leitindex hielt sich weitgehend in einem Korridor zwischen 9600 und 9900 Punkten. Er schloss mit einem Minus von 4,7 Proeznt auf einem Stand von 9648,43. Es war gar nicht daran zu denken, dass er schnell wieder die 10.000er-Marke überspringen könnte. Langfristig aber sehen Experten die Aktienmärkte wieder auf Erholungskurs – schon weil es beim gegenwärtigen Zinsniveau außer Aktien kaum interessante Alternativen gibt (siehe Interview).

Der Dax trügt beim Unternehmenswert

Die nun beendete Rally hat den wichtigsten deutschen Aktienindex, ähnlich wie andere internationale Indizes, auf scheinbar nie dagewesene Rekordstände getrieben. Dennoch trügt der Vergleich. Denn als Maßstab für den Wert der enthaltenen Unternehmen taugt der Dax nur sehr eingeschränkt. Er ist auch eine Art Börsen-Irrlicht, der Werte vorgaukelt, über die die enthaltenen Unternehmen gar nicht mehr verfügen. Das sind die Dividenden, die die Unternehmen längst an die Aktionäre ausgeschüttet haben.

Die Betrachtungsweise hilft Investoren dabei, mit wenigen Blicken zu erkennen, was ihr eingesetztes Geld insgesamt an Kursgewinnen und Dividenden abgeworfen hat. Zur Beurteilung des Börsenwerts ist ein solcher Performance-Index (siehe Grafik) nicht der ideale Maßstab. Dafür gibt es auch einen Index, der allerdings in Deutschland ein Schattendasein fristet. Das ist der Dax-Kursindex. Er funktioniert so wie die meisten internationalen Indizes. Enthalten sind nur die Marktwerte der Unternehmen an den Börsen.

Wirft man einen Blick auf den Kurs-Dax, fällt eines auf: Der Börsenwert der Unternehmen ist in den letzten Monaten nur knapp über das Niveau gestiegen, das er vor dem Platzen der Dotcom-Blase 2001 schon einmal erreicht hatte. Damals waren viele Aktien absurd überbewertet. Das war aber in den letzten Monaten nicht der Fall. Denn die Werte der meisten deutschen Unternehmen sind deutlich angestiegen; auch Umsatz und Gewinn – und damit der Maßstab für die Börsenbewertung.

Der Buchwert als magische Grenze

Und noch eine zweite Erkenntnis lässt sich aus dem Kurs-Dax ziehen: Aktienkurse gesunder Unternehmen fallen manchmal tief, aber nicht unbegrenzt. Dann drehen sie wieder nach oben. Im Frühjahr 2003 wurde ein solcher Wendepunkt erreicht, ebenso im Frühjahr 2009 und im Herbst 2011. Verbindet man diese Tiefpunkte, bekommt man eine deutlich ansteigende Linie. Das deutet eine Grenze an, die dann erreicht wird, wenn der Kurswert unter den Buchwert eines Unternehmens fällt. Das ist eine Art magische Grenze, weil ein Unternehmen – von seltenen Ausnahmesituationen abgesehen – mehr wert ist als die Summe seiner Bestandteile und deshalb der Kurs auch wieder über diese Grenze steigen sollte.

Sonst wäre es (rein theoretisch) wirtschaftlich, alle Aktien eines unterbewerteten Unternehmens aufzukaufen, den Betrieb einzustellen und alle Vermögenswerte zu Geld zu machen. Ein ansonsten gesundes Unternehmen, dessen Kurswert unter dem Buchwert liegt, ist ein für Börsenverhältnisse vergleichsweise sicherer Aktienkauf. Denn es ist unwahrscheinlich, dass dieser Zustand von Dauer ist – zumindest, falls es nicht zum völligen Absturz der Weltwirtschaft mit dramatisch sinkendem Wohlstandsniveau in den meisten Ländern kommt.

Wer bei diesen Wendemarken in der Vergangenheit Aktien gekauft hatte, konnte fast nichts falsch machen. Die Schwierigkeit ist nur, den Tiefpunkt zu erkennen. Ist er bereits erreicht? Oder muss es noch einmal zehn, 15 oder 20 Prozent runtergehen? Nur im Rückblick ist das einfach. Doch auch wer nur grob das Umfeld der Wendemarken erreicht hat, lag mit seinen Aktienkäufen goldrichtig.

Das Zinstief wird weiter andauern

Das dürfte diesmal noch ausgeprägter sein, denn es ist nicht absehbar, wann die Zinsen auf ein Niveau steigen könnten, bei dem es auch nur annähernd attraktiv wird, von Aktien in Anleihen umzuschichten. Und alle Signale deuten inzwischen wieder auf anhaltend niedrige Leitzinsen hin. Wenn – wie inzwischen allgemein erwartet wird – die US-Notenbank Fed ihre bereits in der Vergangenheit angedeutete Zinswende abbläst, rückt auch eine Leitzinserhöhung in Europa in weite Ferne.

Das spiegelte am Montag auch die Entwicklung auf den Rentenmärkten wider: Die Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere fiel weiter von 0,42 Prozent am Freitag auf 0,41 Prozent

Schon die Erwartung weiter niedriger US-Zinsen hat zu einem deutlichen Kursanstieg des Euro gegenüber dem US-Dollar geführt (siehe Kasten). Aber weder die USA noch Japan oder eines der Schwellenländer haben derzeit ein Interesse an einer Aufwertung der eigenen Währung, weil das zwangsläufig die jeweils eigene Exportwirtschaft bremsen würde.

Die heftigsten Kursrückgänge am Montag im Dax betrafen die früher als wenig konjunktursensibel geltenden Versorger: RWE büßten 9,11 Prozent ein, Eon 8,60 Prozent. ThyssenKrupp, ein typischer zyklischer Wert, verlor 6,73 Proeznt. Gewinner gab es gar nicht. Die Aktie von Henkel verbuchte im Dax mit einem Minus von 1,56 Prozent noch die geringsten Verluste. Der M-Dax mit einem Minus von 3,74 Prozent und der Tec-Dax mit minus 3,07 Prozent schlugen sich besser als der Leitindex.

Rubriklistenbild: © dpa

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