Dax-Absturz: Nur der Anfang eines langen Niedergangs?

- München - Die Vorgaben aus den USA und Fernost ließen wenig Gutes ahnen. Wenn es um den beherzten Sprung ins Tal geht, lassen sich die Deutschen nichts vormachen. Und so ließen sie beim gestrigen Aktien-Kursrutsch wieder einmal fast alle hinter sich.

<P>Dabei gab es hierzulande für einen Kurseinbruch keine fundamentalen Gründe wie in den USA, wo eine Gewinnwarnung des Schwergewichts IBM auf den Kursen lastet, wie in Japan, wo ein handfester diplomatischer Konflikt mit dem Haupthandelspartner China keine guten Aussichten für künftige Geschäfte verheißt, oder wie in Italien, wo eine Regierungskrise die Stimmung trübt. Dies alles sind Gründe, warum es in diesen Ländern steil abwärts ging.<BR><BR>Nichts davon in Deutschland und doch hing der Dax bereits nach den ersten Handelsminuten der neuen Woche ganz tief unten im Seil. Während die anderen europäischen Börsen im Schnitt weniger als zwei Prozent abgaben, stürzte der Dax in der Spitze fast um 3 Prozent und riss mit einem gewaltigen Satz sowohl die Marke von 4300 als auch von 4200 Punkten.<BR><BR>Dann allerdings versuchte das Börsenbarometer wieder an Höhe zu gewinnen. Dumm nur, dass beim Sturz eine ganze Reihe von Haken aus dem Fels gerissen waren, die nun Halt bieten könnten. Unterstützungslinien sagen Charttechniker zu solchen Haken im Kursgebirge. Sie sollen den Absturz abbremsen und den anschließenden Aufstieg erleichtern.<BR><BR>Nun wird es mühsam, sich wieder nach oben zu hangeln. Die technischen Analysten der Bayerischen Landesbank konstatieren einen gebrochenen Aufwärtstrend - was mittelfristig weiter abwärts führen dürfte. Eine fortgesetzte Talfahrt der Wall Street könnte, so die Landesbank-Analysten, "sehr viel tiefere Kurse zur Folge haben".<BR><BR>Immerhin machte der Dax dann doch recht zügig wieder Boden gut und überwand noch am Vormittag die wichtige Marke von 4200 Punkten und hielt sich hartnäckig darüber. Bis zum Nachmittag war bereits ein Polster angesammelt, das es ermöglichte, einen erneut schwächeren Wall-Street-Start wegzustecken. Entlastend wirkte auch der Ölpreis. In New York sanken nun die Notierungen unter die psychologisch wichtige Grenze von 50 Euro. Die Experten-Einschätzungen für die deutschen Aktien waren in den letzten Monaten überwiegend günstig. Bleibt es dabei?<BR><BR>Bislang konnten sich die deutsche Aktien (dank guter Unternehmenszahlen) von Rückschlägen der Wall Street abkoppeln. Lebt nun die Schicksalsgemeinschaft der internationalen Börsen wieder auf? Gerhard Schwarz, Leiter der HVB-Anlagestrategie, sieht nach wie vor einen Bewertungsunterschied, der sich zugunsten der europäischen Märkte auswirkt. Auch rückläufige Zinsen stützten europäische Aktien. Die Dividendenrendite im Euro Stoxx 50 liege bei 3,3 Prozent, die Zinsen am langen Ende bei 3,45 Prozent. Auf mittlere Sicht allerdings seien auch die europäischen Aktien "von der Weltkonjunktur abhängig".<BR><BR>Rolf Drees von der Fondsgesellschaft Union Investment sieht insbesondere die Gewinnberichterstattung in den USA als einen wichtigen Grund für den Abwärtstrend zum Wochenbeginn. Hierbei würden gerade Technologiewerte am Markt kritischer gesehen. Es sei wichtig, wie der Markt auf die nächsten Daten - vor allem Intel in den USA und SAP in Deutschland - reagiere. "Wir sind nicht so skeptisch. Wir gehen davon aus, dass die Daten die IBM-Zahlen überstrahlen können."<BR><BR><BR></P>

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