Dax-Jubiläum ohne Champagner

- Halbzeit. Nach den ersten sechs Monaten des Börsenjahres 2003 notieren die Standardaktien im Plus. Die zwischenzeitlichen Tiefstände sind wieder ausgebügelt. Mit 3220 Zählern liegt der Leitindex rund 10 Prozent höher als zu Jahresanfang. Seit Mitte März erlebten einzelne Werte sogar Kurssteigerungen von über 50 %.

<P>Gleichzeitig feiern wir am kommenden Dienstag den 15. Geburtstag dieses "Schaufensters der Börse". Am 1. Juli 1988 startete der Dax als erstes minütlich aktualisiertes Börsenbarometer mit 1140 Punkten. In den ersten 15 Jahren hat er damit trotz der dreijährigen massiven Abwärtskorrektur seit dem Jahr 2000 noch über 180 % zugelegt. Gelegentlich hilft diese Langfrist-Lupe zur Börseneinschätzung. Investoren, die erst 1999 oder später erstmalig eingestiegen sind, werden dagegen müde lächeln und hoffen, dass sie nicht 15 Jahre warten müssen, um wieder an ihren Einsatz zu kommen. </P><P>Das Ende der Metallerstreiks im Osten und die Hoffnung auf konsumfreudige Deutsche, die ihre möglichen Steuer-Nachlässe sofort in den Kaufhäusern ausgeben, könnten den augenblicklichen Optimismus noch eine Weile am Kochen halten. Kursziele von Dax 3400 werden in dieser Woche von einigen Marktbeobachtern für möglich gehalten. Doch der überraschende Rücksetzer vom Freitagabend, als der Markt plötzlich ohne erkennbaren Grund um 40 Punkte einbrach, muss erst weggesteckt werden.</P><P>Noch stecken die Aktien generell in einer Neuorientierungs-Phase, die idealerweise von der zinsgetriebenen Fantasie hin zu einer gewinn-unterlegten Aufwärtsvision führen sollte. Dieses klassische Muster ist bislang eingehalten. Die Notenbanken taten das ihre, um die Geldversorgung zu gewährleisten und damit dem Schreckgespenst Deflation Einhalt zu gebieten. Folglich zogen zunächst auch die Kurse der Rentenmarktpapiere explosionsartig an, bevor es hier nach der letzten Zinssenkung durch die US-Notenbank zu starken Gewinnmitnahmen kam. Zumindest Teile dieser Erlöse aus dem Rentenmarkt sollten nun - gemäß Lehrbuch - am Aktienmarkt landen und damit die nicht in der Realwirtschaft benötigten Gelder in Dividendenpapiere investiv binden. Steigende Werte bei Auftragseingang sowie bei den Einkaufsmanager-Indizes wären dazu geeignet. Kommen diese nicht, droht ein längerer Seitwärtstrend.</P><P>Markttechnisch nähern wir uns außerdem Bereichen, in denen die 20-Tage-Linie aufgrund der guten Entwicklung der letzten Woche deutlich nach oben dreht. Schon kleine Rücksetzer können in einer solchen Phase Trendbrüche erzeugen. Noch haben wir also eine Gleichzeitigkeit von Hoffnung und Skepsis. Es wäre somit verfrüht, den Dax-Geburtstag ausschließlich mit Champagner zu feiern. Ein Glas Mineralwasser dazwischen schadet nicht.<BR></P>

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