DBA-Chef Wöhrl schmiedet am ersten weltweiten Billigflieger

- München - "Die Lufthansa hat sich massiv gegen uns gestellt. Auf allen Strecken, wo die DBA fliegt, macht sie brutales Preisdumping. Jetzt greifen wir die Lufthansa auf den Märkten an, wo sie bisher richtig abgezockt hat." Hans Rudolf Wöhrl, der Mehrheitseigentümer des Billigfliegers DBA und wohl aggressivste Luftfahrtunternehmer zwischen Kiel und Garmisch-Partenkirchen, warf dem Marktführer den Fehdehandschuh hin.

Wenige Stunden zuvor hatte er den Kaufvertrag für den angeschlagenen Ferienflieger LTU unterzeichnet. Aus der Allianz der beiden Flugunternehmen will der Unternehmer etwas ganz Neues formen: "Wir habe die Chance, der erste Low-Cost-Carrier zu sein, der ein weltweites Netz betreibt", meinte Wöhrl.

"Die LTU lebt und sie soll weiterleben." Hans Rudolf Wöhrl

Damit sei die neue Allianz auch großen Konkurrenten wie Ryanair oder Easyjet voraus. Wöhrl wirkt sichtlich zufrieden mit seinem jüngsten Coup. Vielen anderen Unternehmern würde der Kauf des seit Jahren mit den roten Zahlen kämpfenden Ferienfliegers wohl schlaflose Nächte bereiten. Denn die vor 51 Jahren als Lufttransport-Union gegründete Fluggesellschaft hat zwar eine große Vergangenheit, doch die jüngsten Kapitel der Firmengeschichte glichen eher einem Trauerspiel.

Im Jahr 2001 konnte nur eine Landesbürgschaft die LTU vor einer Bruchlandung bewahren. Seitdem kämpft das Unternehmen mit der wachsenden Konkurrenz der Billigflieger und den explodierenden Kerosinpreisen. Zusätzlich gehandikapt war das Unternehmen dabei in den vergangenen Jahren durch eine höchst prekäre Eigentümerstruktur. Denn seit dem Konkurs des früheren Großaktionärs, der Swissair, im Jahr 2001 lagen die Mehrheitsanteile bei Treuhändern und Finanzinvestoren.

So unsicher schien die Zukunft des Konzerns, dass sich über Jahre hinweg trotz Bemühungen des LTU-Minderheitsaktionärs Rewe kein Interessent für die Mehrheit an dem klammen Konzern fand.

Doch Wöhrl kann das offensichtlich nicht schrecken. "Die LTU lebt und sie soll weiterleben. Wir haben beschlossen, ihr einen zweiten Frühling zu gönnen", verkündet er gut gelaunt. Schon 2006 soll die LTU eine "schwarze Null" schreiben und danach Gewinn abwerfen. Angestrebt sei eine Ergebnisverbesserung um rund 100 Millionen Euro, sagt Wöhrl - und das möglichst ohne Personalabbau.

Wöhrl will die Flugpläne der beiden Gesellschaften jetzt eng aufeinander abstimmen und so die Maschinen der Deutschen BA als Zubringer für die LTU nutzen. Und er will außerhalb der Ferienzeiten mehr Geschäftsleute in die Maschinen des Ferienfliegers LTU locken.

Doch geht es dem Unternehmer um mehr. Seine Vision: "LTU und DBA sind die ersten Gesellschaften, die die Chance haben, die Idee der Low-Cost-Carrier, die den Flugverkehr revolutioniert hat, weltweit auszubauen." Bisher beschränken sich selbst Branchenriesen wie Ryanair oder Easyjet auf den Kontinentalverkehr. Aus einem einfachen Grund: Bei Langstreckenflügen gilt das Billigfliegerkonzept in der Branche nicht als lukrativ.

Doch Wöhrl will das Gegenteil beweisen. Und damit ist er dann wieder bei seinem Lieblingsfeind Lufthansa. LTU könne ein Erste-Klasse-Flugticket nach New York zum halben Preis wie die Lufthansa anbieten - bei gleichem Service, verspricht er mit sichtlichem Vergnügen. "Auch das ist Low-Cost."

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