Eon deckt in Hamburg Gaspreise auf

- München - Auf Druck der Öffentlichkeit hat Eon Hanse als erster deutscher Gaslieferant offen gelegt, wie er seine Preise berechnet. Das Unternehmen aus Schleswig-Holstein sieht dadurch den Vorwurf entkräftet, es habe die Entgelte in den vergangenen Monaten übermäßig stark erhöht. Verbraucherschützer zweifeln jedoch an der Kalkulation und raten den Bürgern auch in Bayern nach wie vor, Preisaufschläge ihrer Gasversorger nicht komplett zu bezahlen.

"Wir haben nichts zu verbergen", beteuerte der Eon-Hanse-Vorstand Hans-Jakob Thiessen am Firmensitz in Quickborn bei Hamburg. "Die Steigerungen sind absolut gerechtfertigt." Aus den nun vorgelegten Zahlen (siehe Grafik) ergebe sich, dass der Versorger noch nicht einmal die gestiegenen Beschaffungskosten an seine rund 500 000 Privatkunden im Großraum der Hansestadt weitergegeben habe. Dadurch sei die Gewinnspanne von 0,08 auf 0,05 Cent je Kilowattstunde gesunken, sagte Thiessen.

Der Eon-Hanse-Chef deckte die Kalkulation nicht ganz freiwillig auf. Dazu getrieben hatte ihn eine Sammelklage, die 52 Kunden unterstützt von der Verbraucherzentrale Hamburg beim Landgericht der Hansestadt eingereicht hatten. Dem Versorger wird darin vorgeworfen, zuletzt stärker als erlaubt an der Preisschraube gedreht zu haben - seit Oktober 2004 erhöhte es die Entgelte in drei Schritten um insgesamt 25 Prozent. Begründet wurde das von Eon Hanse stets mit dem explodierenden Energiebedarf in Indien und China. Dieser hätte die Bezugspreise von Gas in astronomische Höhe getrieben, wie nun die Kalkulation belegen soll.

Verbraucherschützer zeigten sich jedoch noch nicht überzeugt. "Vorhang zu und viele Fragen offen", sagte der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, Günter Hörmann, unserer Zeitung. Es sei zu erwarten gewesen, dass die Kalkulation die Preiserhöhungen rechtfertigt. Er sprach von einer "PR-Kampagne" und kündigte eine genaue Prüfung der Unterlagen an, die am Montag auch beim Landgericht vorgelegt werden sollten.

Bund der Energieverbraucher:

500 000 wehren sich schon

Ähnlich wie Hörmann äußerte sich der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher (BDE), Aribert Peters. "Die Befürchtung, dass die Preise überhöht sind, werden in keinster Weise ausgeräumt", sagte er. Uwe Leprich, Mitarbeiter an der

Hochschule für Wirtschaft und Technik in Saarbrücken, bezeichnete die Kalkulation als ein "dürres Zahlengerüst". "Es gibt mehr offene Fragen als Antworten", sagte der Volkswirt und Energieexperte weiter.

Der gerichtliche Streit um die Gaspreise in Hamburg gilt als Musterfall. Denn nicht nur in Norddeutschland, in der ganzen Bundesrepublik sind die Gaspreise in den vergangenen eineinhalb Jahren um rund 20 Prozent gestiegen. Deswegen folgten in den vergangenen Monaten nach Angaben des BDE 500 000 der 20 Millionen deutschen Gaskunden einer Empfehlung von Verbraucherverbänden, die Aufschläge nur unter Vorbehalt zu akzeptieren oder eigenmächtig zu kürzen. Ihre Forderung: Die Energieversorger sollen ihre Preiskalkulationen veröffentlichen und damit die "Billigkeit" ihrer Kalkulation nachweisen.

Dass dies nun Eon Hanse gelingt, wird zumindest angezweifelt. "Wir haben immer noch den Verdacht, dass die Erhöhungen nicht rechtens waren", sagte Hörmann. Er empfiehlt den bundesweiten Gaskunden, weiter Widerstand zu leisten, und verweist auf einen Musterbrief (www.verbraucherzentrale-bayern.de). "Jetzt erst recht", sagt der Jurist.

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