Delta und Northwest: Noch zwei US-Fluggesellschaften insolvent

- New York - Die umsatzmäßig dritt- und viertgrößten US-Fluggesellschaften Delta Air Lines und Northwest Airlines haben nach jahrelangen Milliardenverlusten fast zeitgleich Insolvenzverfahren beantragt. Beide werden weiter fliegen und versuchen, während des Insolvenzverfahrens Schulden loszuwerden und Streckennetze sowie Flugzeugflotten neu aufzustellen.

Die Gesellschaften wollen sich so unter Gerichtsaufsicht sanieren, um anschließend gestärkt aus den Insolvenzverfahren herauszukommen. Die Gesellschaften beantragten ihre Insolvenzverfahren im Rahmen des Kapitel elf des US-Insolvenzrechts (siehe Kasten).

Jetzt befinden sich insgesamt vier der sieben größten US-Fluggesellschaften beim Insolvenzrichter - United Airlines, die amerikanische Nummer zwei, bereits seit Dezember 2002. US Airways, die sechstgrößte US-Fluggesellschaft, beendet gerade ihr zweites Insolvenzverfahren. Sie wird von der viel kleineren Fluggesellschaft America West übernommen. Delta und Northwest wurden Opfer einer starken Konkurrenz von flexibleren und kostengünstiger operierenden Billig-Fluglinien wie Southwest Airlines und JetBlue.

Astronomische Flugbenzinpreise, die nach Hurrikan "Katrina" weiter in die Höhe geschossen waren, trugen ebenso wie drückende Milliarden-Schuldenberge und höhere Tarifkosten als bei anderen Airlines zur Insolvenz bei. Die Billig-Fluglinien befördern inzwischen rund ein Drittel aller US-Passagiere und haben die Flugpreise teilweise um bis zu 70 Prozent gedrückt. Sie erzielen mit weniger Mitarbeitern, niedrigeren Tarifen sowie neueren Flugzeugflotten Gewinne.

Die Delta-Mitarbeiter müssen mit weiteren massiven Stellenstreichungen und Tarifkürzungen rechnen. Delta will seine Flotte und das Streckennetz neu aufstellen. Auch "Northwest muss seine Kosten erheblich senken, um mit anderen Airlines konkurrieren zu können", sagte Unternehmenschef Doug Steenland. Northwest strebt neben niedrigeren Tarifkosten auch eine Änderung des kostspieligen Betriebsrenten-Systems an.

Die amerikanischen Fluggesellschaften haben seit der 1978 vom damaligen Präsidenten Jimmy Carter durchgedrückten "Deregulierung" der Luftfahrtbranche ein beispielloses Massensterben erlebt. Seither haben nach einer Aufstellung des Dachverbandes Air Transport Association US-Airlines insgesamt 160 Insolvenzverfahren beantragt. Traditionsfirmen wie Pan Am, TWA, Braniff International und Eastern verschwanden ganz von der Bildfläche. Die meisten der kleineren Firmen wurden liquidiert oder von anderen Airlines gekauft.

In den achtziger und neunziger Jahren waren die meisten insolventen Airlines dem harten Konkurrenzkampf, aufgeblähten Operationen und monumentalen Schulden und Kosten zum Opfer gefallen oder waren in einer beispiellosen Fusionswelle geschluckt worden. Inzwischen sind Billig-Fluglinien, die Terroranschläge vom 11. September 2001 mit enormen Rückschlägen im Flugverkehr und astronomische Flugbenzin-Preise hinzugekommen.

Seit September 2001 haben insgesamt 14 Airlines ein Insolvenzverfahren beantragt. Die momentan in Insolvenzverfahren operierenden Fluggesellschaften repräsentieren mehr als die Hälfte der US-Gesamtkapazität.

Die US-Airlines haben seit 2001 rund 38 Milliarden Dollar Verluste gemacht. In diesem Jahr dürften noch zehn Milliarden Dollar hinzukommen. Billig-Fluglinien wie Southwest und JetBlue haben inzwischen in den USA Marktanteile von 33 Prozent gegenüber nur sechs Prozent vor 15 Jahren. Dies ist vor allem auf Kosten der "Großen" gegangen.

American Airlines, der Branchenführer, hat sich dank Milliardenkonzessionen seiner Mitarbeiter am Markt besser behaupten können. Das gilt auch für die Continental Airlines, die zuvor allerdings zwei Insolvenzverfahren überstanden hatte.

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