Wie man den Garten fit für den Frühling macht

München - Bis vor ein paar Tagen hatten Frost und Schnee den Garten fest im Griff. Der Frühling beginnt diesmal um Wochen verzögert. Umso mehr drängen jetzt all die Arbeiten. Wo soll man anfangen?

Und für welche Arbeiten ist es womöglich schon zu spät? Die wichtigsten Fragen zum Start in den Gartenfrühling:

Welche Arbeiten müssen jetzt als erstes erledigt werden?

Zum „Frühjahrsputz“ auf den Beeten gehört, das alte Staudenkraut zu entfernen. Außerdem müssen Mulchdecken vom Herbst abgeräumt werden, damit sich der Boden erwärmen kann. Die Erde lockern, aber nicht umgraben – besonders gut geht das mit einem sogenannten Sauzahn. Ziergräser werden ebenfalls bis zum Boden heruntergeschnitten. Aber bitte vorsichtig, denn oft ragen die neuen Triebe schon ein paar Zentimeter aus der Erde. Verholzende Kräuter werden um etwa ein Drittel zurückgeschnitten.

Eigentlich schneidet man Obstbäume bis Ende Februar. Geht das jetzt auch noch?

„Für Obstbäume wird es allerhöchste Zeit“, sagt der Gartenexperte und Herausgeber der Zeitschrift „Kraut & Rüben“ Wolfram Franke. „Das muss wirklich in den nächsten 14 Tagen passieren, danach ist Schluss.“ Außerdem sollte man gut aufpassen, weil bei den Vöglen die Nistzeit beginnt. Bei vielen Gehölzen ist ein Schnitt im Spätsommer ohnehin besser, weil die Wunden dann besser heilen. Bei Ziersträuchern wird im Frühling nur geschnitten, was im Sommer blüht. Frühlingsblüher wie Forsythien werden erst nach der Blüte geschnitten.

Wann werden Obstbäume und -sträucher gedüngt?

Die Düngung sollte auf jeden Fall bis zur Blüte abgeschlossen sein, heißt es in der Fachliteratur. Wolfram Franke hingegen sagt: „Ich dünge meine Obstbäume überhaupt nicht. Bei mir wird nur der Boden gepflegt und auf der Baumscheibe Kompost verteilt.“ Wer Bäume düngen will, sollte organischen und keinen treibenden mineralischen Dünger verwenden, rät der Experte.

Überall blühen noch verspätete Schneeglöckchen und viele Krokusse. Kann man den Rasen trotzdem schon vertikutieren?

Rasen kann vertikutiert (von Rasenfilz befreit) werden, wenn der Boden abgetrocknet ist. Allerdings ist Vertikutieren ein sicherer Weg, Schneeglöckchen und andere kleine Zwiebelpflanzen zu ermorden. Man muss sich also entscheiden, ob man einen Rasen – also Gräser pur – oder eine Wiese haben will. Bei der Wiese sticht man nur hartnäckige Unkräuter wie Löwenzahn aus – und übt sich ansonsten in Gelassenheit.

Was tun, wo Moos das Rennen macht?

Gegen Moos können eisenhaltige Dünger helfen. Allerdings setzt Franke auch hier auf eher biologische Lösungen: „Also erstens vertikutieren. Dann kann man auch den Rasen belüften.“ Das wird als Aerifizieren bezeichnet. Dafür gibt es spezielle Gabeln. Ersatzweise kann man auch Grabegabeln verwenden und damit in kurzen Abständen einstechen. Danach wird, so Franke, Sand in den Boden eingearbeitet. Um dem Gras auf die Sprünge zu helfen, empfiehlt er organischen Rasendünger in Verbindung mit einem Bodenaktivator. An schattigen Stellen, wo gar nichts mehr geht, sollte man den Boden neu umbrechen und eine spezielle Schattenrasenmischung neu einsäen. Wenn auch das nicht gelingt, hilft nur noch ein flach wachsender Bodendecker.

Welche Pflege brauchen Zwiebelblumen?

Das Wichtigste ist, dass ihre Blätter langsam abwelken können. Denn daraus ziehen Zwiebeln Nährstoffe für das nächste Jahr. Bei Narzissen und Tulpen wird nach der Blüte nur der Samenstand entfernt, denn Samenbildung würde der Pflanze Kraft entziehen. Das Laub verbleibt, bis es welk ist, an der Zwiebel. Das Gleiche gilt für die Krokusse in der Wiese. Wer die kleinen Frühlingsblüher mag, spart ihre Blätter beim Mähen aus, so dass sie als Inseln im kurz geschorenen Gras stehen. Das sieht zwar nicht schön aus, ist aber der Preis für kräftige Blüten im nächsten Jahr. Die meisten Zwiebelblumen sind genügsam. Ihre drei Feinde sind Staunässe, Wühlmäuse und Spaten. Da sie von Letzterem oft versehentlich zerhackt werden, arbeitet man in ihrer Nähe besser nur mit Grabegabel oder Sauzahn.

Wann ist die Zeit zum Rosenschneiden?

„Damit kann man jetzt beginnen“, sagt Franke und gibt unsicheren Rosenfreunden eine Faustregel an die Hand: „Kräftige Triebe schwach zurückschneiden, und schwache Triebe kräftig zurückschneiden.“ Generell gilt: Rosen brauchen einen Auslichtungsschnitt, bei dem alle abgestorbenen oder kranken Triebe entfernt werden. Der Rückschnitt hängt von der Sorte ab. So werden Beetrosen kräftig bis auf 20 Zentimeter geschnitten, weil sie vor allem an jungen Trieben blühen. Damit sich keine Zweige kreuzen, sollte das letzte Auge (Triebansatz) immer außen liegen. Bei den zwei bis drei Meter großen Strauchrosen werden nur die mehrmals blühenden Sorten regelmäßig geschnitten. Ihre Triebe werden um etwa ein Drittel gekürzt. Bei Kletterrosen wird zwischen Rambler mit langen, biegsamen Trieben und Climber mit starken starren Trieben unterschieden. Rambler brauchen fast keinen Schnitt. Einmal blühende Climber blühen am vorjährigen Holz und werden erst nach der Blüte zurückgeschnitten. Öfter blühende Climber blühen an den neuen Trieben und werden deshalb im Frühjahr geschnitten, indem man die Seitentriebe auf zwei bis vier Augen einkürzt.

Welche Immergrünen werden jetzt geschnitten?

 „Die würde ich im Moment gar nicht schneiden“, sagt Franke und empfiehlt, bis September zu warten. Im Übrigen mahnt er Zurückhaltung an. Kirschlorbeer zum Beispiel werde durch Schnitt eher verhunzt, als dass man dem Strauch etwas Gutes tut. Also Schneiden nur, wenn es wirklich nötig ist, wenn ein Ast in den Weg ragt oder Teile verkahlt sind. Dabei sollte man darauf achten, dass immer auf Astring oder aus der Gabel heraus geschnitten wird und keine Stutzen stehen bleiben. Die Formel heißt: „Bei einem guten Gehölzschnitt sieht man dem Baum oder Strauch nicht an, dass er geschnitten wurde.“

Was ist mit Formschnitt bei Buchs?

Das hat noch Zeit bis April. Generell empfiehlt sich Formschnitt aber im Frühling. Einmal, weil er zu stärkerem Wachstum stimuliert, zum anderen, weil Schnittfehler sich da besser auswachsen. Ein Schnitt im Sommer führt zu langsamerem Wachstum. Bringt man den Buchs bis September in eine makellose Form, kann man sich daran bis zum Frühling erfreuen. Allerdings bleiben auch eventuelle Schnittfehler in der Form und braune Quetschwunden an den Blättern so lange sichtbar.

Was mache ich jetzt mit dem Kompost?

 Gut ausgereifen Kompost kann man auf Beete und Baumscheiben ausbringen – allerdings nicht mehr als fünf Liter pro Quadratmeter. „Man unterschätzt die Wirkung des Komposts als Dünger“ warnt Franke. „Kompost enthält eigentlich alles, was Pflanzen brauchen. Aber auch viel Phosphor und Kali.“ Damit seien viele Kleingärten überdüngt, was eine chemische Festlegung wertvoller Spurenelemente im Boden zur Folge haben kann. Das heißt, bei der Pflanze herrscht dann ein Mangel, obwohl von bestimmten Nährstoffen genügend im Boden ist. Aus dem gleichen Grund sollte man auch Kalk nicht leichtfertig ausbringen. Kalk wird nur gebraucht, wo der Boden sehr sauer ist. Andernfalls werden durch zu viel Kalk im Boden Eisen und Magnesium festgelegt, sind also für die Pflanze nicht erreichbar. Sie kann dann nicht genügend Blattgrün bilden – gelbliche schwache Blätter (Chlorose) sind die Folge.

Was ist jetzt am Gartenteich fällig?

Wo noch Laub vom Vorjahr da ist, kann man das abschneiden. Darüber hinaus sollte man den Teich in Ruhe lassen, weil jetzt die Amphibien einziehen. Kröten, Molche und Frösche schätzen keine Störung. Größere Aktionen wie Schlamm absaugen sollte man erst im Herbst vornehmen.

Was pflanzt man auf dem Balkon?

Mit vorgetriebenen Zwiebelblumen und anderen Frühlingsblühern aus dem Handel kann man nicht viel falsch machen. Sie werden relativ dicht gepflanzt, da sie in den Balkonkästen nicht weiterwachsen. Wichtig ist eine gute Drainage, damit überschüssiges Gießwasser abfließt und keine Staunässe entsteht. Beim Kauf kompakte Pflanzen, die noch nicht weit ausgetrieben haben, wählen. Sie sind stabiler und halten länger. Wer seine Kästen wie ein kleines Beet bepflanzen will, setzt Buchsstecklinge oder Mini-Gehölze zwischen die Blumen.

Wie akklimatisiert man im Gewächshaus vorgezogene Primel und Belli, so dass sie draußen überleben?

Am besten pflanzt man sie an einem milden trüben Tag aus. Am Anfang kann man die Pflänzchen auch noch etwas beschatten. Normalerweise gewöhnen sie sich schnell an Sonne. Kritischer ist Nachtfrost. Auch winterharte Pflanzen müssen, wenn sie aus dem Treibhaus kommen, mit einem Vlies geschützt werden. Ein altes Hausmittel ist, nachts einfach einen Eimer über empfindliche Pflanzen zu stülpen.

In Garten-Centern werden Knollen von Canna, Gladiolen und Dahlien angeboten. Dürfen die schon in die Erde?

Nein. Exotische Pflanzen sind frostempfindlich. Dahlien kann man frühestens Mitte April auspflanzen. Wer Platz hat, kann sie aber in einem frostfreiem Raum in Töpfen vortreiben. Damit verschafft man ihnen einen Vorlauf. Das gilt auch für Begonienknollen. Franke empfiehlt hier einen „Großmuttertrick“: Die Knollen in Gefäße mit feuchter Erde oben auf den Küchenschrank legen. Die Pflanzen müssen zunächst nicht hell stehen, haben es da aber schön warm. Erst wenn sie Austreiben brauchen sie Licht, und im Mai dürfen sie dann ins Freie.

Monika Reuter

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