"Denke nicht an Rücktritt": Doch Ackermanns Chefsessel wackelt

- Frankfurt - Es sind 460 Seiten Papier, die in den Türmen der Deutschen Bank für ein mittleres Erdbeben sorgen. 460 Seiten Anklageschrift gegen Chef Josef Ackermann und andere Topmanager, 460 Seiten mit dem Ergebnis: Untreue im besonders schweren Fall. Ackermann droht schon vor Prozessbeginn seinen Posten zu verlieren - trotz der Sympathiebekundungen, die nun auf den Schweizer einregnen.

<P>Es sind ganz triviale Gründe, die Ackermann aus dem Chefsessel katapultieren könnten. Wer zweimal pro Woche vor dem Richter sitzen muss, hat keine Zeit mehr, das größte Geldinstitut des Landes zu führen - so zumindest soll die deutsche Finanzaufsicht geurteilt haben. Ackermann müsste seinen Posten dann ruhen lassen.<BR><BR>Worauf der 55-Jährige wenig Lust hat. Statt dessen soll er angeordnet haben, ein Büro am Gerichtsort Düsseldorf aufzubauen, von dem aus er das Institut während des Prozesses leiten könnte. Ein Bank-Sprecher bestätigte, man habe Büros in der Stadt. Im übrigen "denkt Herr Ackermann nicht daran, zurückzutreten".<BR><BR>Andere denken schon daran und wollen das bisher verhindern. Finanzminister Hans Eichel (SPD), dem die Finanzaufsicht untersteht, erinnert an die Unschuldsvermutung. Ackermann habe das volle Vertrauen der Bundesregierung. Das der Opposition auch: Angela Merkel (CDU) beteuerte, sie sei von seiner persönlichen Integrität überzeugt. Das Verfahren sei vielmehr ein "Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland". Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz rät dem Banker hingegen dringend, sein Amt als Vorstandssprecher ruhen zu lassen.<BR><BR>Wie berichtet, wird Ackermann und weiteren ehemaligen Aufsichtsräten der Mannesmann AG vorgeworfen, Anfang 2000 in der Übernahmeschlacht mit dem Mobilfunkkonzern Vodafone üppige Prämien gebilligt zu haben. 56,8 Millionen Euro Abfindungen wurden an führende Mannesmänner gezahlt.<BR><BR>In der Kritik steht auch der Ex-Chef der IG Metall, Klaus Zwickel. Auch er hatte die strittigen Beschlüsse unterschrieben, in der Öffentlichkeit aber wohl gelogen, als er die Abfindungen medienwirksam anprangerte. Klaus Esser, als damaliger Mannesmann-Chef einer der finanziellen Hauptempfänger, muss wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Untreue vor den Richter. Verteidigt werden die Top-Manager unter anderem von den Anwälten, die auch den Haffa-Brüdern vor Gericht zur Seite standen. Noch im Herbst soll der spektakuläre Prozess beginnen, hieß es am Wochenende.<BR><BR>Und als wäre das nicht genug, greift sich die deutsche Wirtschaftselite weiter untereinander an. Der Deutschen Bank droht eine weitere Klage, einmal mehr vom gescheiterten Medienunternehmer Leo Kirch. Er will laut "Focus" die Wahl des Aufsichtsrates anfechten. Kirch und Deutsche-Bank-Aufseher Rolf Breuer stehen sich beeits in einem anderen Prozess gegenüber.<BR></P> 

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