Denkzettel für die Siemens-Chefs

Viele Gegenstimmen bei der Entlastung: - München - Die Siemens-Führung hat den erwarteten Denkzettel von den Aktionären erhalten. Am Ende der elfstündigen Hauptversammlung wurden am späten Donnerstagabend zwar Vorstände und Aufsichtsräte entlastet, allerdings mit außergewöhnlich vielen Gegenstimmen.

Vorstandschef Klaus Kleinfeld erhielt eine Zustimmung von 71,424 Prozent, Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer nur von 65,935 Prozent. Von Pierer war von Aktionären kritisiert worden, weil ein großer Teil der Vorgänge um Schmiergelder und Beteiligung an einem Kartell in seiner Amtszeit als Vorstandschef liegt.

Die niedrigen Ergebnisse bei der Entlastung für von Pierer und Kleinfeld seien ein bisher einmaliger Vorgang in der Siemens-Geschichte, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Das war ein eindeutiger Denkzettel."

"Ich habe den Eindruck, dass der Vorstand den Unmut der Aktionäre sehr ernst genommen hat", sagte Bergdolt. "Das war ein Musterbeispiel für eine gute Hauptversammlung mit harter, aber sachlicher Kritik", fügte sie hinzu.

Sie habe nun keinen Zweifel mehr, dass die Unternehmensführung wie versprochen konsequent gegen Korruption im eigenen Haus vorgehen werde, auch wenn die Affären im Ausland wesentlich weniger wahrgenommen würden als in Deutschland. Obwohl Siemens den größten Teil seiner Erlöse im Ausland erwirtschafte, richte die Krise großen Schaden an, da sie sich wesentlich auf die Vorstandsarbeit und die Motivation der Mitarbeiter auswirke, erklärte die Anlegervertreterin.

Linkspartei-Fraktionschef Oskar Lafontaine forderte unterdessen als Konsequenz aus dem Siemens-Skandal, künftig den Wechsel von Vorständen in den Aufsichtsrat wie im Fall Pierer rechtlich zu verbieten: Nur so lasse sich wieder eine wirksame interne Kontrolle herstellen: "Im Interesse einer sauberen Unternehmenskultur darf der Bock nicht länger den Gärtner spielen", sagte der Politiker.

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