So hat das Depot schöne Ferien

Aktien - Börsenturbulenzen kennen keine Ferien. Deshalb sollten Besitzer von Aktien vor dem Start in den Urlaub die Geldanlagen schützen.

Mit einigen Maßnahmen lässt sich das Wertpapierdepot in der Urlaubszeit gegen überraschende Börseneinbrüche absichern.

Parkplatz fürs Geld

Die radikalste Lösung ist, einen Teil der Aktien zu verkaufen und Bares auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto zu parken. Doch das kommt nicht in Frage, wenn nach den Ferien die alten Papiere wieder auf dem Einkaufszettel stehen. Solche Transaktionen treiben eher die Spesen als den Gewinn in die Höhe. "Die Gebühren müssen wieder hereingeholt werden", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Außerdem könnte Spekulationssteuer auf Kursgewinne fällig werden, wenn die Aktien noch kein volles Jahr im Depot sind.

"Solche Umschichtungen lohnen nur dann, wenn die Anlagestrategie generell geändert werden soll", sagt Dieter Kern, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters Trigonus. Allerdings sei der anstehende Sommerurlaub eine gute Gelegenheit für eine allgemeine Bestandsaufnahme. Gewinne vorzüglich gelaufener Papiere mitzunehmen, könne nicht schaden.

Limit gibt Spielraum

Eine Alternative sind sogenannte Stopp-Loss-Marken. Dabei wird ein Kurslimit für ein Wertpapier festgelegt, bei dessen Unterschreiten automatisch eine Verkaufsorder zur nächsten ermittelten Notiz ausgeführt wird. "Wie tief die Stoppkurse angesetzt werden, liegt im eigenen Ermessen", sagt Karin Baur von der Zeitschrift "Finanztest". Zu eng sollte der Spielraum nicht bemessen sein ­ damit an einem einmaligen nervösen Handelstag nicht gleich die Reißleine gezogen wird. Zwischen 5 und 10 Prozent unterhalb des aktuellen Kursniveaus für Standardwerte und bis zu 25 bei Nebenwerten sind laut Baur angemessen.

Der Vorteil der automatischen Notbremse ist zugleich ein Nachteil: Die Entscheidung über die Order liegt nicht mehr in der eigenen Hand. "Hat sich die Situation geändert, bewertet der Anleger die Aussichten eines Wertpapiers möglicherweise ganz neu und würde die Anteile doch halten oder sogar nachkaufen", sagt Finanzexperte Dieter Kern. Kern rät deshalb ­ falls möglich ­ zu Limitbenachrichtigungen. Sie werden von manchen Depotbanken, aber auch von Finanzportalen wie www.ariva.de angeboten. Dann schlägt zunächst eine E-Mail Alarm, wenn eine vorher festgelegte Kursschwelle erreicht worden ist. Order ja oder nein, darüber kann der Kunde dann selbst bestimmen. Das setzt allerdings voraus, dass er im Urlaub über einen Zugang zum Internet verfügt.

Fern-Kontrolle

Wer auch in der Ferne seine Wertpapiere online verwalten möchte, darf Depotnummer, PIN und TAN nicht vergessen. Karin Baur von "Finanztest" warnt jedoch davor, solch sensible Daten an öffentlichen Computern ­ etwa im Internet-Café ­ zu verwenden. Stattdessen sollten Anleger lieber mit ihrem Bankberater vereinbaren, was im Zweifelsfall zu tun ist.

Freunde als Verwalter

Auch Freunde und Bekannte dürfen Orders ausführen, wenn sie eine Vollmacht haben. Doch ist das eine heikle Angelegenheit für alle Beteiligten. Entscheidet man sich trotzdem dafür, sollte diese Art der Urlaubsvertretung mit der Bank abgesprochen werden. Sonst könnte diese misstrauisch reagieren, rät Karin Baur. Zudem seien klare Verhaltensanweisungen für die Freunde Pflicht.

Optionen für Profis

Eine Möglichkeit, sich vorübergehend gegen Verluste abzusichern, sind Optionsscheine. Mit einer "Put-Option" erwerben Anleger das Recht, einen Basiswert ­ etwa Aktien oder Indizes ­\  zu einem festgelegten Zeitpunkt und Preis zu verkaufen. Sie setzen also auf fallende Kurse. In diesem Fall wird die Option nicht gezogen, sondern vor Ende der Laufzeit nach dem Urlaub wieder verkauft. Weil aber der Wert des Papiers steigt, wenn der Basiswert fällt, fungiert es als "Sicherheitsnetz".

"Auf Grund eines eingebauten Hebels kann ein Depot mit geringem Kapitaleinsatz gegen Wertverluste geschützt werden", erklärt Niels Nauhauser. So lasse sich eine Auswahl aus europäischen Standardwerten im Volumen von 10\x0f000 Euro über einen Euro-Stoxx-Put per zehnfachem Hebel mit 1000 Euro Einsatz absichern. Ein Zuwachs entsteht unter dem Strich aber nicht. "Man zahlt quasi eine Versicherungsprämie für den Werterhalt", erläutert Vermögensberater Kern. Da Erlöse von Optionsscheinen in jedem Fall steuerpflichtig sind und Bankgebühren fällig werden, sind sie "keine billige Lösung" und "eignen sich wegen ihrer Komplexität zudem nur für erfahrene Anleger", sagt Nauhauser.

Augen zu und durch

Am besten ist es laut Verbraucherschützer Nauhauser, Aufwand und Kosten zu sparen und einfach den Urlaub zu genießen ­ unabhängig vom Auf und Ab der Börse. Das gilt zumindest für langfristig orientierte Anleger mit einem breit gestreuten Depot. Sie können vorübergehende Kursdellen aussitzen.

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