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* Die Mehrwertsteuer (auf den Nettostrompreis) beträgt 19 %. Ihr Anteil am Bruttostrompeis beläuft sich somit auf 15,98%. ** Umlagen nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz bzw. dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Interview mit Wirtschaftswissenschaftler Uwe Leprich

"Der Abzock-Verdacht bleibt"

München - Der Wirtschaftswissenschaftler Uwe Leprich über die hohen Gewinnzuwächse der Energiekonzerne und explodierende Strompreise.

Die vier großen Stromkonzerne in Deutschland haben in den vergangenen Jahren ausgezeichnet verdient: Die Gewinne von Eon, RWE, Vattenfall und EnBW verdreifachten sich seit 2002, wie eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Saarbrücken ergab. Zugleich verdoppelte sich der Strompreis, was den Verdacht nährt, die Unternehmen bereicherten sich an ihren Kunden. Unsere Zeitung sprach darüber mit dem Autor der Erhebung, Uwe Leprich.

Professor Leprich, die Gewinne der Stromriesen explodieren, während deren Kunden mehr berappen müssen. Werden die Energieverbraucher abgezockt?

Das hätte ich gerne gezeigt, aber die zugänglichen Konzernunterlagen lassen das nicht zu. Das liegt daran, dass die Unternehmen den Bereich Strom in Deutschland nicht extra ausweisen. Wir haben zum Beispiel bei Eon einen Bereich "Central Europe Stromerzeugung" oder bei RWE einen Bereich "Kontinental Stromerzeugung plus Braunkohle". Man kann nur vermuten, dass bei diesen Konzernen die Strom-Sparte in Deutschland der größte Gewinnbringer gewesen ist - beweisen lässt es sich nicht.

Der Gewinnzuwachs könnte also aus Einsparungen oder anderen Geschäftsfeldern resultieren?

Richtig. Zum Beispiel aus dem Gasgeschäft, das bei Eon extrem gewinnträchtig ist. Aber wie gesagt: Es lässt sich nicht aufdröseln, wo genau die Gewinne erzielt werden - was wahrscheinlich Strategie hat.

Das heißt, der Abzockverdacht bleibt, obwohl er sich nicht belegen lässt?

So sehe ich das, ja.

Die Versorger begründen die steigenden Strompreise mit höheren Ausgaben wegen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, gestiegenen Beschaffungskosten und Abgaben. Sind das Fakten oder Ausreden?

Es wird oft so dargestellt, als ob der Staat alleine an den Strompreissteigerungen schuld ist. Das ist völlig falsch. Allerdings hat der Staat den Anstieg des Strompreises für Haushalte zwischen 2002 und 2007 knapp zur Hälfte zu verantworten. Etwa durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer oder die Belastungen im Bereich erneuerbarer Energien.

Warum können die Konzerne die Preise scheinbar setzen, wie es ihnen gefällt?

Das liegt an den Strukturen bei der Stromerzeugung. Die vier Gesellschaften vereinigen 90 Prozent der Kapazitäten auf sich, zudem kontrollieren sie die Übertragungsnetze. Da ist Misstrauen bei der Preisbildung angebracht. Konkret gibt es die Vermutung, dass gezielt billigere Kraftwerke abgeschaltet werden, um den Preis an der Strombörse zu erhöhen. Eine Reihe von Untersuchungen deuten auf so ein Verhalten hin.

Was müsste sich ändern, um die Marktmacht der Stromanbieter zu brechen?

Zum einen müssten die Übertragungsnetze eigentumsrechtlich von der Stromerzeugung entflochten werden. Wir brauchen einen neutralen Netzbetreiber, aber das hat Deutschland zuletzt verhindert. Das zweite wäre eine Entflechtung des Kraftwerkparks mit dem Ziel, mehr Akteure hineinzubringen, um den Wettbewerb zu steigern. Die EU hat in dieser Richtung bereits einen ersten Schritt unternommen, indem sie Eon dazu genötigt hat, Kraftwerksleistung in Deutschland abzugeben. Aber das reicht nicht.

Wenn ein Markt nicht funktioniert, sollte der Staat eingreifen. Hat die Politik zu lange geschlafen?

Ganz sicher. Es gibt kein Land in der EU, das die Liberalisierung der Energiemärkte in den vergangenen Jahren so stark verzögert hat wie Deutschland. So ist es jetzt auch wieder: Irgendwann kommt die eigentumsrechtliche Entflechtung des Übertragungsnetzes, aber die Deutschen haben es wieder gebremst.

Das hört sich alles nicht nach sinkenden oder zumindest stabilen Strompreisen an.

Ganz sicher nicht. Die Zeiten niedriger Energiepreise sind vorbei. Zumal die Rohstoffpreise auf Dauer wieder auf ein höheres Niveau steigen werden. Es bleibt aber ein bitterer Beigeschmack, wenn Energiepreise genutzt werden, um hohe Gewinne einzustreichen.

Interview: Florian Ernst

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