"Der Typ sollte nirgendwo zur Meinungsbildung beitragen"

- Unterföhring -­ Ein kalter Novembertag auf dem Gelände von ProSiebenSat.1. Junge Fernsehleute hetzen von Gebäude zu Gebäude. Doch angesprochen auf Berlusconi und sein Interesse, den Konzern zu übernehmen, vergessen sie ihre Eile und ereifern sich.

Berlusconi ist ein Thema. Teilweise gehen die Meinungen weit auseinander, und Fernsehleute nehmen kein Blatt vor den Mund.

"Hauptsache, irgendwer kauft uns", sagt ein Mittdreißiger mit Hornbrille. Wie die meisten anderen will er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. "Berlusconi ist ein kerngesunder Kapitalist", sagt er. "Da hab‘ ich keine Befürchtungen, dass der den Konzern runterwirtschaften könnte." Auch andere haben keine Bedenken.

"Meinen Job verliere ich nicht", sagt ein IT-Mitarbeiter im Kapuzenpulli: "Die Produktion geht ganz normal weiter." Als Haim Saban kam, sei auch niemand entlassen worden. Ebenso sagt eine Frau aus dem Rechnungswesen: "Unser Bereich ist sicher."

Darum, ob der Job sicher ist, scheint sich fast niemand zu sorgen, auch nicht Mitarbeiter aus den Redaktionen. Sie stört die Vorstellung, zu Berlusconis Imperium zu gehören, aus anderen Gründen. Manche sind dabei ganz radikal: Eine junge Frau "kann niemanden als Chef gut finden, der sich den Gerichten entzieht und einfach Gesetze ändert". Ein junger Mann im Parka sagt schlicht: "Berlusconi hat hier nichts verloren. Ich finde, der Typ sollte überhaupt nirgendwo zur Meinungsbildung beitragen."

Dass der italienische Medienzar in die Inhalte eingreifen könnte, fürchtet auch ein Mitarbeiter aus der "Galileo"-Redaktion: "Es wäre Zeit, dass mal wieder ein Publizist den Laden führt." Eine publizistischere Ausrichtung wäre wünschenswert, "nicht immer nur die auf die Börse". Und eine junge Frau meint, sie sei "schon skeptisch". Doch werde in ihrer Abteilung nicht offen kritisiert, sondern eher "rumgefrotzelt, so Mafia-Slang-mäßig".

So richtig ernst will man den Gedanken an Berlusconi auch in der Arbeitnehmer-Vertretung noch nicht nehmen. "Er ist nicht der erste und wird nicht der letzte Interessent sein", verlautet aus Betriebsratskreisen. "Wir haben schon einiges erlebt, die Belegschaft ist immun inzwischen." Berlusconi sei auch nur Geschäftsmann wie jeder andere. Er werde "einen Teufel tun und versuchen, ProSieben zu ruinieren".

Ebenso knickt der "Galileo"-Mann, nachdem er sich eine "publizistischere Ausrichtung" gewünscht hat, ein: "Ach, eigentlich gibt‘s das ja schon seit Jahren nicht mehr. Springer, Berlusconi, das ist doch alles dieselbe Rasselbande." Ständig werde ihnen verkündet, es laufe schlecht. Es sei "egal, wer da oben sitzt, an der Arbeit wird sich nichts ändern", sagt sein Kollege. Dann frotzeln sie: "Hach, die Nähe zu Italien." Vielleicht gebe es mit Berlusconi mehr Pasta in der Kantine oder besseren Kaffee.

Und wer wisse schon, ob Mediaset tatsächlich ein Angebot vorlege. Ähnlich drücken es zwei Mitarbeiterinnen aus: "Berlusconi will uns kaufen? Egal. Jeden Tag hört man da was Neues."

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