Geduldsprobe für Fluggäste der Lufthansa: 1000 Flugbegleiter der Lufthansa haben in Frankfurt ihre Arbeit niedergelegt. Hunderte Flüge fielen aus, tausende Passagiere waren betroffen. Die Flugbegleiter streiken für ein Ende der Leiharbeit, den Schutz gegen die Auslagerung von Jobs und mehr Lohn.

„Der Streik hat gerade erst begonnen“

Frankfurt - Der Streik der Flugbegleiter hat am Freitag das Luftdrehkreuz in Frankfurt lahmgelegt. Hunderte Flüge fielen aus – eine Nervenprobe für die Passagiere. Laut Ufo-Chef Baublies war das aber erst der Anfang.

Der Streik der Flugbegleiter der Lufthansa hat begonnen. Von 5 bis 13 Uhr wurde am Freitag Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main be-streikt. Die Konsequenz: Chaos. Hunderte Flieger mussten auf dem Boden bleiben. Die Lufthansa spricht von 190, die Flugbegleitergewerkschaft Ufo von 280. Von den Ausfällen seien 26 000 Passagiere betroffen gewesen, teilte ein Sprecher der Lufthansa mit. An den Umbuchungsschaltern bildeten sich lange Schlangen. Die Passagiere hatten erst am späten Donnerstagabend von den Streiks erfahren. Erst gegen 23 Uhr hatte die Flugbegleitergewerkschaft Ort und Zeit der Streiks bekannt gegeben. Taktik, damit die Lufthansa möglichst wenig Zeit hat, Ausfälle zu kompensieren.

Bald könnte auch der Flughafen München, Deutschlands zweitgrößter Flughafen, ins Visier der Ufo rücken. Gegenüber unserer Zeitung hatte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies bereits am Donnerstag angekündigt, dass es sich nur noch um Tage handle, bis auch München von den Ausständen betroffen sei.

„Unser Streik hat gerade erst begonnen“, schob Baublies am Freitag nach. Ein Gewerkschaftssprecher wurde noch deutlicher: „Es werden sehr bald weitere Streikmaßnahmen stattfinden. Und zwar so lange, bis die Lufthansa sich eines Besseren besinnt.“ Die Hoffnung: Lufthansa soll ein verbessertes Angebot im Tarifstreit vorlegen. Anderenfalls will Baublies eine härtere Gangart einlegen: „Sollte das nicht passieren, haben wir auch flächendeckende und dauerhafte Streiks in der Schublade.“

Die Auswirkungen des Streiks in Frankfurt hielten sich für den Flughafen München in Grenzen. Von 26 Flügen von und nach Frankfurt seien acht gestrichen worden, teilte Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger mit. Kommt es zu einem Streik am Münchner Flughafen, an dem rund 4600 Flugbegleiter der Lufthansa arbeiten, droht aber auch hier Chaos. Rund 293 Lufthansa-Flüge, die täglich starten und landen, wären von Ausständen betroffen.

Die Situation in München sei aber nicht mit der in Frankfurt zu vergleichen, erläuterte Rittberger. Während der Ausstände in Frankfurt blockierten zwischenzeitlich gestrandete Flieger die Gates. Die Parkpositionen wurden knapp. Die Konsequenz: An europäischen Flughäfen durften keine Flugzeuge mehr Richtung Frankfurt abheben. „In München ist die Situation anders“, erklärt Rittberger. Die Lufthansa-Flotte bestehe aus 250 Fliegern – auch wenn alle auf dem Boden blieben, gäbe es genug Platz für alle.

Ob München der nächste Schauplatz für den Arbeitskampf der Flugbegleiter sein wird, erfahren Passagiere erst sechs Stunden vor Streikbeginn. Die Lufthansa rät deshalb ihren Fluggästen, sich im Internet (lufthansa.com) über den Status ihres Fluges zu informieren. Wer sich registriert, erhält automatisch Informationen per SMS, E-Mail oder Twitter. Unsichere Kunden können sich auch telefonisch unter 0 18 05/805 805 an die Lufthansa wenden.

Im Streikfall bucht die Lufthansa wenn möglich auf Alternativflüge um. Wird ein Flug ersatzlos gestrichen, können Kunden kostenfrei umbuchen, stornieren oder ihr Flugticket in ein Bahnticket umtauschen. Aus Kulanzgründen können alle Passagiere mit einem Lufthansa-Ticket, das vor dem 31. August ausgestellt wurde, Flüge mit Abflug vor Montag, 3. September, 23.59 Uhr (deutsche Ortszeit) einmalig kostenfrei auf einen Alternativflug von Lufthansa, Austrian Airlines, Brussels Airlines oder Swiss umbuchen. Das neue Reisedatum muss vor dem 30. November liegen. Start- und Zielpunkt können nicht verändert werden.

Manuela Dollinger

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