+
Wolfgang Reitzle, Aufsichtsratschef des Gasekonzerns Linde. Foto: Peter Kneffel/Archiv

Staatsanwaltschaft

Kein Verfahren gegen Linde-Chefaufseher Reitzle

Wolfgang Reitzle kann erst mal aufatmen - das Damoklesschwert eines Strafverfahrens wegen Insiderverdachts ist weg.

München (dpa) - Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle muss kein Verfahren wegen möglicher Insidergeschäfte befürchten. "Die derzeitige Verdachtslage reicht zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens nicht aus", sagte Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl in München.

Damit kann Reitzle die Fusion mit dem US-Gasekonzern Praxair nun unbelastet von juristischen Problemen vorantreiben.

Reitzle war im Mai 2016 Aufsichtsratschef geworden und hatte im Juni für eine halbe Millionen Euro Linde-Aktien gekauft. Anfang August legte die Linde-Aktie plötzlich kräftig zu, Mitte August bestätigte Linde schließlich Fusionsverhandlungen mit Praxair. Die Finanzaufsicht Bafin durchleuchtete die Vorgänge intensiv und übergab ihren Untersuchungsbericht kürzlich der Staatsanwaltschaft. Diese will die Sache zwar noch weiter prüfen, sieht aber nach jetzigem Stand keinen hinreichenden Verdacht für eine Straftat. Reitzle hatte die Aktienkäufe veröffentlicht und als Bekenntnis des neuen Chefkontrolleurs zum Unternehmen erklärt.

Mit dem Zusammenschluss von Linde und Praxair würde der größte Industriegasekonzern der Welt entstehen, mit 28 Milliarden Euro Umsatz, 60 Milliarden Euro Börsenwert und 80.000 Mitarbeitern. Die Vorstände erwarten aus der Fusion Kostenvorteile von einer Milliarde Euro jährlich. Die Aktionärsvertreter im Linde-Aufsichtsrat sind geschlossen für den Zusammenschluss, die Betriebsräte und Gewerkschaften lehnen ihn ebenso entschieden ab: Sie befürchten einen massiven Stellenabbau und kritisieren den absehbaren Wegfall der Mitbestimmung.

Reitzle hat angekündigt, die Fusion bei der Anfang Mai geplanten Abstimmung mit seinem Doppelstimmrecht als Aufsichtsratschef durchzusetzen. Der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler stellt deshalb in "Frage, ob er der Richtige für Linde ist".

Linde Geschäftsmodell

Reitzles Aktienkäufe

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

BMW spielte falsche Abgas-Software auf 5er und 7er auf
München/Flensburg (dpa) - BMW hat 11.700 Dieselautos mit einer falschen Abgas-Software ausgestattet. Das Programm sei für die SUV-Modelle X5 und X6 entwickelt worden, …
BMW spielte falsche Abgas-Software auf 5er und 7er auf
Chinesischer Geely-Konzern größter Daimler-Einzelaktionär
Bei der Konkurrenz von Volvo ist der chinesische Investor Geely schon länger in Boot. Nun kauft er sich beim deutschen Oberklasse-Autobauer Daimler ein - als größter …
Chinesischer Geely-Konzern größter Daimler-Einzelaktionär
Milliardengewinn trotz Dieselkrise: Was macht VW so erfolgreich?
Krisengebeutelt? Von wegen. Der Volkswagen-Konzern legte 2017 das erfolgreichste Geschäftsjahr seines Bestehens hin. Worauf der Aufschwung von Europas größtem Autobauer …
Milliardengewinn trotz Dieselkrise: Was macht VW so erfolgreich?
Aufgestaute Müllberge: Droht Europa ein Abfall-Chaos?
Europas Recycling-Unternehmen sind einem großen Problem ausgesetzt. Die Kapazitäten geraten an ihre Grenzen. Das hat einen bestimmten Grund.
Aufgestaute Müllberge: Droht Europa ein Abfall-Chaos?

Kommentare