Detroit: US-Autobauer gehen formschwach in ihr Heimspiel

- Detroit - Das eigene Publikum, die vertraute Umgebung: Heimspiele wären eine feine Sache, wenn nicht das Team völlig derangiert wäre. So aber geht es den US-Autobauern, die sich für die Auto Show in Detroit, ihrem Heimspiel zum Jahresauftakt, gern ein ehrgeizigeres Ziel gesetzt hätten als den Kampf gegen den Abstieg.

Der Angstgegner heißt Japan. Nachdem Toyota bereits Ford vom zweiten Platz verdrängt hat, geht es nun daran, General Motors vom Thron des größten Autobauers der Welt zu stoßen. Doch auch die erheblichen Zuwächse deutscher Autobauer machen den US-Herstellern zu schaffen.

Einzig Chrysler ist in den USA mittlerweile wieder gut aufgestellt, konnte 2005 den Absatz steigern und will sich auch im laufenden Jahr keine Atempause gönnen. Daimler-Chrysler-Konzernchef Dieter Zetsche, bislang Boss der US-Tochter, träumt von einem "transatlantischen Allstar-Team". In Detroit sind es beide Seiten, die mit Ideen glänzen. Chrysler mit dem Concept-Car "Imperial", bei dem die hinteren Türen sich nach hinten öffnen und so - weil die "B-Säule" in der Wagenmitte fehlt - einen fast scheunentorgroßen Einstieg eröffnen. Mercedes kommt mit dem noch größeren Geländewagen GL. Der Gesamtkonzern präsentiert den nach eigenen Angaben saubersten Diesel der Welt, um dem Selbstzünder endlich auch in den USA den Weg zu bereiten. Und dann gibt der Konzern mit dem Dodge Challenger ein Motiv der gesamten Show vor: Retro-Fahrzeuge, die an das Design vergangener Jahrzehnte erinnern. Das Auto knüpft an die Linienführung der 60er- und frühen 70er-Jahre an.

Das nahm auch Rivale Audi auf: Mit dem Lamborghini Miura hat die italienische Nobeltochter von Audi ein Traumauto dieser Zeit wiederbelebt. Das Konzeptfahrzeug wird es nicht zu kaufen geben.

BMW erreicht 2005 neuen Rekord beim Absatz

Dafür schließt der geländegängige Audi Q7 eine vor allem in den USA schmerzhafte Lücke. Auch das Concept-Car Roadjet, ein neuartiges Großraumfahrzeug, zielt auf die US-Kunden ab. Um die trotz anhaltender Rekordfahrt beträchtliche Lücke zum US-Primus der deutschen Autobauer zu schließen - BMW verkaufte 2005 in den USA 266 066 Autos, Audi 83 066 -, schließt nun Audi-Chef Martin Winterkorn den Bau eines US-Werks nicht aus.

Vergleichsweise bescheiden wirkt nach dem Modellfeuerwerk der letzten Jahre, was BMW an Neuerungen bietet: Da ist ein Mini-Kombi mit dem traditionellen Namen Traveller und einem neu durchdachten Raumkonzept. Auch die sportlichere M-Variante des Roadster Z4 ist zu sehen. Dafür hat der Konzern beim Absatz 2005 erneut einen Rekord erzielt: 1 328 000 Autos wurden ausgeliefert, 9,9 Prozent mehr als 2004. Dabei schaffte es der Mini, die Marke von 200 000 um 400 zu überschreiten. Er ist den stärksten Reihen 3er (229 900) und 5er (228 400) auf den Fersen.

Gravierende Schwächen zeigt nach wie vor Volkswagen in den USA. Sensationen fehlen weiterhin im Programm des größten deutschen Autobauers. Ab Sommer soll das Cabrio Eos neue Käufer für die Marke gewinnen. In den USA hat VW die Studie GX3 vorgestellt, ein Dreirad mit zwei Sitzen und 570 Kilogramm Gewicht. Dies ermöglicht es, mit einem Mittelklassemotor die Leistungen von Sportwagen zu erreichen, etwa eine Beschleunigung in 5,7 Sekunden von 0 auf 100.

Ein weltweiter Auslieferungsrekord tröstet VW über den eingebrochenen US-Absatz hinweg. Mit 5,24 Millionen Autos hat der Konzern so viele Fahrzeuge ausgeliefert wie noch nie, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr, verkündete Konzernchef Bernd Pischetsrieder in Detroit. Allerdings trugen dazu die starken Töchter Audi und Skoda bei, die Stammmarke wuchs nur um 0,8 Prozent auf 3,09 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge.

Die US-Hersteller GM und Ford ziehen gegenüber den japanischen Konkurrenten mit Hybrid-Antrieben nach. Doch sie zeigen auch Alternativen zum Benzin auf: Der 6,80 Meter lange Ford F250 Super-Chief schluckt neben dem herkömmlichen Treibstoff von der Tankstelle auch Wasserstoff oder Ethanol.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unruhe im Textilhandel: Deutsche Verbände warnen Bangladesch
Dhaka (dpa) - Kurz vor dem internationalen Bekleidungsgipfel in der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka am Samstag haben deutsche Gewerkschaften und Verbände die dortige …
Unruhe im Textilhandel: Deutsche Verbände warnen Bangladesch
Problemflieger A400M lässt Airbus-Gewinn einbrechen
Toulouse - Schon wieder neue Milliardenkosten: Das Transportflugzeug A400M bereitet Airbus Sorgen ohne Ende. Nun setzt der Chef des Flugzeugbauers die Käuferstaaten …
Problemflieger A400M lässt Airbus-Gewinn einbrechen
Bayer für Milliardendeal gewappnet
Bayer-Chef Baumann hält an seinem Zeitplan fest: Bis zum Jahresende soll der Erwerb des US-Saatgutriesen Monsanto abgeschlossen sein - und das laufende Geschäft mit …
Bayer für Milliardendeal gewappnet
„Capri-Sonne“ verschwindet vom Markt - und Harry G grantelt in neuem Video
München - Ab sofort heißt die Capri-Sonne nicht mehr Capri-Sonne, sondern Capri-Sun. Fans des Kultgetränks finden das gar nicht gut, und auch Harry G ist empört und …
„Capri-Sonne“ verschwindet vom Markt - und Harry G grantelt in neuem Video

Kommentare