EZB deutet noch weitere Zinserhöhungen an

- Madrid - Die Zinsen in den zwölf Euro-Ländern werden auch nach der jüngsten Anhebung weiter steigen. Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte am Donnerstag zum dritten Mal innerhalb eines halben Jahres den Leitzins und deutete weitere Zinsschritte an. "Wenn unser Szenario sich bewahrheitet - was bisher der Fall war - werden wir weiter langsam Liquidität zurücknehmen", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der Ratssitzung in Madrid.

Nach Einschätzung von Volkswirten wird die Notenbank zur Eindämmung der Inflation die Zinsen bis Jahresende auf mindestens 3,00 Prozent heraufschrauben.

Trichet wollte hingegen keine Marke nennen, bei der die EZB aufhören werde, die Geldpolitik schrittweise zu normalisieren. "Wir haben uns nicht von vornherein festgelegt. Wir machen, was nötig ist, wenn es nötig ist. Wir lassen uns nicht in eine Zwangsjacke stecken."

"Die Zinsen sind im historischen Vergleich immer noch sehr niedrig", sagte Trichet. Das derzeitige Niveau unterstütze das Konjunkturwachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Notenbank müsse vorausschauend handeln, weil die vollen Auswirkungen von Zinserhöhungen sich erst nach 18 bis 24 Monaten zeigten.

Der Rat habe auch über eine stärkere Zinserhöhung um einen halben Prozentpunkt gesprochen. "Es herrschte aber der Eindruck vor, dass 25 Basispunkte angemessen und ausreichend sind." Die Währungshüter hatten bereits im Dezember 2005 und im März die Zinsen um jeweils einen Viertelprozentpunkt erhöht und hielten auch am Donnerstag ihren Drei-Monats-Rhythmus ein. Mit höheren Zinsen und der daraus folgenden Geldverknappung will die EZB Inflationsgefahren bekämpfen. Für die Verbraucher und Unternehmen verteuern sich damit Kredite, während Sparguthaben höher verzinst werden. An den Aktienmärkten gab es keine negative Reaktion auf die Zinserhöhung, da sie in diesem Umfang erwartet worden war.

Die wichtigsten Gründe für den Zinsschritt waren laut Trichet die hohen Ölpreise, die steigenden Inflationsgefahren, das robuste Wirtschaftswachstum und die wachsende Geldmenge. Die Notenbank rechnet für 2006 im Euro-Raum nun mit einer Teuerungsrate von 2,3 Prozent - höher als bisher erwartet.

Der Internationale Währungsfonds (IWF), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sowie die Euro-Finanzminister hatten die EZB zuvor vor weiteren Zinserhöhungen gewarnt.

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