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Grund zum Feiern? Die niedrige Bewertung macht Aktien zu Schnäppchen.

Deutsche Aktien im Sonderangebot

München - Deutsche Unternehmen sind an den Börsen billig zu haben. Bei vielen liegt der Marktwert sogar unter dem Buchwert. Doch Risiken für Anleger bleiben.

Gold war begehrt, Silber, Platin und Wohnneigentum. Ackerland und Wälder sind in Deutschland fast nicht mehr zu bekommen. Doch einen Sachwert mieden die meisten Anleger im vergangenen Jahr: Die Beteiligung selbst an florierenden Unternehmen. Der Dax rutschte auf Jahressicht um 15 Prozent ab.

Aktien haben in Deutschland seit der Internet-Blase 2000/2001 den Ruf des Zockerpapiers weg. Und so nehmen die Anleger lieber die Verzinsung solventer Staatsanleihen unterhalb der Inflationsrate in Kauf – als die zum Teil beachtlichen Dividendenrenditen solider Unternehmen zu nutzen.

Dabei sind einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse inzwischen keine Ausnahme mehr: Elf der 30 Dax-Unternehmen liegen in diesem Bereich. Pro Euro Aktienwert werden jährlich mehr als zehn Cent Gewinn erwirtschaftet. Zinsen und Steuern werden davon abgezogen. Dann bleibt der Gewinn, der ausgeschüttet werden kann. Obwohl die Dividendenrenditen vieler Aktiengesellschaften 2011 deutlich über den Zinssätzen von Anleihen lagen, blieb genug übrig, um auch die Substanz der Unternehmen – ihr Eigenkapital – aufzustocken.

Damit nahm 2012 der innere Wert der meisten Unternehmen zu. Doch gleichzeitig fielen die Börsenkurse, der Marktwert nahm ab. Viele Aktiengesellschaften sind nun eigentlich mehr wert, als für sie an der Börse geboten wird. Würde alles Werthaltige verramscht, bliebe den Aktionären am Ende mehr Geld als bei einem Verkauf ihrer Aktien.

Das gilt als Kaufsignal. Das „Handelsblatt“ hat nach den billigsten Aktien der Welt gesucht – und stieß dabei unter anderem auf die russische Telefongesellschaft Rostelecom, die an der Börse nur mit 49 Prozent ihres Substanzwerts gehandelt wird, auf die brasilianische Electrobras (48 Prozent) oder auf die Royal Bank of Scotland (44 Prozent).

Nun haben Aktien dieser Unternehmen für deutsche Anleger zwei Schönheitsfehler: Aktuelle Berichte über kursbewegende Ereignisse werden aus der Distanz weniger wahrgenommen. Und zum generellen Risiko eines Aktieninvestments kommt noch das Wechselkursrisiko dazu.

Doch auch im Inland bekommt man recht interessante Aktien derzeit billig. Volkswagen – mit einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,94 bei einer ungetrübten Erfolgsstory – ist so ein Fall, bei dem die Risiken überschaubar sind. Sogar noch besser fahren Schnäppchensucher bei den VW-Stämmen (nicht im Dax), bei denen das Verhältnis mit 0,84 noch günstiger liegt.

Ein Grund für die Unterbewertung ist der Rückzug internationaler Anleger, die den Euro meiden – und damit natürlich auch das Wechselkursrisiko, dem Aktien unterliegen, die in Euro gehandelt werden. Deren Verkäufe haben die Kurse abschmieren lassen. Unternehmen bei denen das der einzige Grund für eine Kursschwäche ist, sind für Anleger attraktiv.

Doch eine vermeintliche Unterbewertung kann manchmal auch täuschen: Bei der Lufthansa bekommt man bei einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,53 für den Preis eines Flugzeugs fast deren zwei. Doch die Luftverkehrsbranche gilt als äußerst krisenanfällig. Bricht die Konjunktur ein, dann sinken auch ihre Erträge dramatisch, während die Kosten kaum beeinflussbar sind und weiterlaufen. So zehren Verluste am Eigenkapital und damit an der Substanz des Unternehmens.

Noch gefährlicher ist die Sache bei der Commerzbank bei einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,28. Hier könnten Zahlungsausfälle mehrerer südeuropäischer Staaten zu gewaltigen Abschreibungen und in der Folge auch zu Verlusten führen, die das Eigenkapital zum Großteil oder sogar vollständig aufzehren können.

Von Martin Prem

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