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Der Konzern Deutsche Bahn: Von der Gründung bis zur heutigen Organisation

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Der DB Tower am Potsdamer Platz in der Abenddaemmerung. Hier ist die Zentrale der Deutschen Bahn AG untergebracht
Der DB Tower am Potsdamer Platz in der Abenddaemmerung. Hier ist die Zentrale der Deutschen Bahn AG untergebracht © Reiner Zensen/IMAGO

Die Deutsche Bahn ist ein internationales Personentransport- und Cargo-Unternehmen mit mehr als 338.000 Mitarbeitern weltweit. Ihre Geschichte reicht bis hinein in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die heutige Organisation geht auf die Deutsche Bundesbahn zurück, die von 1949 bis 1994 für den Schienenverkehr in Westdeutschland verantwortlich zeichnete.

Berlin – Die heutige Deutsche Bahn wurde Mitte der 1990er-Jahre nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung ins Leben gerufen. Heute arbeiten in Deutschland rund 211.000 Menschen für die Eisenbahn. Damit ist die Organisation einer der größten Arbeitgeber des Landes.

Deutsche Bahn: Hintergründe und Geschichte

Die heutige Organisation Deutsche Bahn (DB AG) ist das Ergebnis der Fusion der Reichsbahn der DDR und der Deutschen Bundesbahn. Beide staatlichen Betriebe waren nach der Wende tief in den roten Zahlen und verbuchten Milliardenverluste. Reformen beider Eisenbahnunternehmen schlossen die Verantwortlichen aus. Stattdessen überführten sie sowohl die Reichs- als auch die Bundesbahn in eine Aktiengesellschaft: Die Deutsche Bahn AG wurde am 1. Januar 1994 offiziell gegründet.

Dabei geht die Geschichte der Eisenbahn viel weiter zurück. Am 7. Dezember 1835 fand die erste Fahrt auf Schienen statt. Sie ging von Nürnberg nach Fürth. Nach der deutschen Reichsgründung im Jahr 1871 existierten zahlreiche verschiedene Eisenbahnbetriebe mit eigenen Verwaltungen. Sie bedienten vorwiegend den Nah- und Regionalverkehr; Fernstrecken waren seinerzeit nicht üblich.

Nach dem Ersten Weltkrieg schlossen sich die Länderbahnen zu den Deutschen Reichseisenbahnen zusammen. Im Jahr 1924 wurden die Einzelunternehmen in einer zentralen Organisation gebündelt: der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft.

Diese betrieb den Schienenverkehr bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit der Teilung der deutschen Staaten folgte auch die der Eisenbahn: Im Osten hieß die Bahngesellschaft weiterhin Deutsche Reichsbahn, im Westen gründete man die Deutsche Bundesbahn.

Deutsche Bahn: Die Hintergründe der Bahnreform in den 1990er-Jahren

Mit der Wiedervereinigung wuchsen die Ansprüche an ein einheitliches Schienennetz und damit an eine Vereinigung von Reichs- und Bundesbahn. Nachdem im Januar 1994 die Fusion besiegelt wurde, folgten Jahre der Modernisierung und Rationalisierung. Die neu gegründete Deutsche Bahn baute Personal ab und organisierte weite Teile des Schienennetzes neu. So legte sie den Schienennahverkehr in die Hände der Bundesländer und baute Schnellstrecken aus. Den Anfang machte die Schnellfahrstrecke Hannover-Berlin. Sie wurde im Mai 1998 eröffnet.

In den 2000er-Jahren machte die Deutsche Bahn durch weitere Reformen von sich reden. Neue Preissysteme, sieben neue Intercity-Express (ICE)-Linien und die Gründung eines neuen Unternehmensbereichs „Dienstleistungen“ gehörten dazu.

Ende der 2000er- und in den 2010er-Jahren beteiligte sich die Deutsche Bahn an verschiedenen Unternehmen, darunter an der europäischen Bahngesellschaft Thalys. 2010 erwarb das Eisenbahnunternehmen den britischen Verkehrsbetrieb Arriva.

Deutsche Bahn: Die Organisation und ihre Tochtergesellschaften

Die Konzernform der Deutschen Bahn ist seit der Gründung die einer Aktiengesellschaft. Dennoch ist die Eisenbahn nicht an der Börse notiert. Vielmehr befindet sie sich bis heute vollständig im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland.

In den Jahren 2006 bis 2011 wurde dies kontrovers diskutiert, knapp 50 Prozent der Organisation sollten privatisiert werden. 2011 wurde dem Börsengang jedoch eine Absage erteilt.

Heute gehören zahlreiche Tochtergesellschaften zur Deutschen Bahn:

Weite Teile des Schienennetzes in Deutschland werden von der Konzerntochter DB Netz betrieben. Den Personenfernverkehr unterhält die Tochter DB Fernverkehr, für den Gütertransport zeichnet DB Cargo verantwortlich. DB Regio unterhält den Personennahverkehr. Rund die Hälfte des Umsatzes der Deutschen Bahn werden im Eisenbahnverkehr erwirtschaftet. Die andere Hälfte gehen auf das Konto des Transport- und Logistikgeschäfts sowie von weiteren Dienstleistungsbetrieben.

Deutsche Bahn: Beteiligungen und Zuständigkeiten

Dazu kommen Beteiligungen an weiteren Betrieben:

Deutsche Bahn: Das Schienennetz

Die Eisenbahn fährt in Deutschland auf rund 38.400 Schienenkilometern. Damit ist das deutsche Schienennetz eines der größten in Europa. Die Deutsche Bahn unterhält davon circa 33.400 Kilometer und ist somit der wichtigste Betreiber.

Seit der Fusion von Bundesbahn und Reichsbahn 1994 wächst das Schienennetz stetig. Bis heute (Stand 2021) hat es sich im Personenverkehr um rund 50 Prozent, im Güterverkehr um knapp 90 Prozent vergrößert. Insgesamt absolvieren die Eisenbahnen auf dem Netz der DB AG mehr als eine Milliarde Kilometer pro Jahr.

Obwohl nicht das gesamte Streckennetz zur DB gehört, können die Züge der Organisation es doch nutzen. Umgekehrt gilt dasselbe für die verschiedenen privaten Betreiber. Sie sind auch auf dem Schienennetz der Deutschen Bahn unterwegs. Die Schienen werden üblicherweise sowohl vom Güter- als auch vom Personenverkehr genutzt. Für ICE-Züge gibt es zum Teil eigene Trassen.

Das Schienennetz der DB wird stetig ausgebaut. Allein im Jahr 2021 sollen 12,7 Milliarden Euro in die Modernisierung und Erweiterung der Eisenbahninfrastruktur fließen. Sie sollen für mehr als 1.900 Gleiskilometer, neue Mitarbeiter, Brücken und Bahnhöfe investiert werden. Neben eigenen Mitteln verwendet der Konzern Mittel von Bund und Ländern.

Deutsche Bahn: Personalien und Umsatz

Aufgrund der Konzernform der Aktiengesellschaft hat die Deutsche Bahn einen Aufsichtsrat. Diese besteht aus 20 Mitgliedern. Zehn von ihnen sind Anteilseignervertreter, weitere zehn Arbeitnehmer der Organisation. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Michael Odenwald (Stand Ende 2021).

Die Deutsche Bahn und ihre Tochterunternehmen haben jeweils einen Vorstandsvorsitzenden. Dr. Richard Lutz übernimmt diese Rolle konzernweit seit 2017. Die weiteren Vorsitzenden verteilen sich wie folgt:

Die Deutsche Bahn beschäftigt weltweit knapp 339.000 Mitarbeiter, davon rund 211.000 in Deutschland. Der Löwenanteil der internationalen Mitarbeiter befindet sich in Europa, die zweitgrößte Präsenz hat das Unternehmen im asiatischen und pazifischen Raum, gefolgt von Nordamerika.

Im Jahr 2020 erwirtschaftete die Deutsche Bahn einen Umsatz in Höhe von knapp 40 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr verbuchte sie Verluste von zehn Prozent. 2019 betrug der Umsatz rund 700 Millionen Euro. Der Hauptgrund für die Verluste waren die Reisebeschränkungen im Zuge der Corona-Krise seit Frühjahr 2020. Das Fahrgastaufkommen schrumpfte infolgedessen deutlich – von etwa 150 Millionen im Jahr 2019 auf 81 Millionen im Jahr darauf. In jenem Jahr fuhr die Organisation den größten Verlust ihrer Geschichte ein. Auch im ersten Halbjahr 2021 stehen rote Zahlen auf der Rechnung: Mehr als 1,4 Milliarden Euro Minus wurden verbucht.

Deutsche Bahn: Kontroversen und Streiks

Die Deutsche Bahn gerät immer wieder in negative Schlagzeilen. Zum einen wird die mangelhafte Pünktlichkeit der Züge kritisiert. Ende 2018 betrug die Pünktlichkeitsrate knapp über 70 Prozent. Diese soll laut einem im Januar 2019 vorgestellten Fünf-Punkte-Plan signifikant verbessert werden. Im Fernverkehr werden 76,5 Prozent angestrebt.

Zum anderen wird die Eisenbahn von den Gewerkschaften regelmäßig bestreikt. Die Streiks sind die Folge gescheiterter Tarifverhandlungen, insbesondere mit der Gewerkschaft der Lokführer (GDL). Seit dem Jahr 2000 macht diese im Vergleich zur zweiten Bahn-Gewerkschaft EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) regelmäßig von sich reden. Während die GDL die DB-Lokomotivführer vertritt, setzt sich die EVG für die Belange aller anderen Beschäftigten ein.

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