Deutsche Bahn: Preiserhöhung statt Börsendetails

Zum ehrwürdigen Gebäude der Börse war es nur eine Station mit der S-Bahn. Doch als Bahnchef Hartmut Mehdorn am Montag in einem Frankfurter Hotel seine Halbjahresbilanz vorlegte, hielt er sich mit Verlockungen für den Kapitalmarkt zurück - kein wohltönender Imagefilm, keine Werbebroschüren und auch sonst kaum Details, wann und wie Europas größter Verkehrskonzern bald Teile seines Transportgeschäfts an private Investoren verkaufen will.

Die Aktienausgabe sei nach wie vor "im Herbst" geplant, sagte der Manager und präsentierte ein Gewinnplus trotz Abkühlung der Konjunktur. Für Fahrgäste hatte er eine wenig erfreuliche Botschaft: Tickets werden Mitte Dezember wegen gestiegener Energiekosten erneut teurer.

Wie stark die Anhebung ausfällt, wollen die Planer noch ausrechnen und erst im September bekanntgeben beim jüngsten Mal im Dezember vergangenen Jahres waren es im Schnitt 2,9 Prozent. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" könnten die Preise diesmal bis zu 3,2 Prozent steigen. Die Mehreinnahmen dürften sich im Jahr 2009 auf gut 120 Millionen Euro belaufen und so im Zuge des Börsengangs die Profitabilität im Personenverkehr absichern.

Mehdorn spielte ausdrücklich darauf an, dass Fluggesellschaften inzwischen Kerosinzuschläge von 25 Euro und mehr kassieren und die Spritpreise an den Tankstellen seit Jahresbeginn im zweistelligen Prozentbereich gestiegen sind. Solche "Preisexplosionen" müssten Bahnkunden nicht fürchten. Um Kunden bei der Stange zu halten, verfolgt der Konzern außerdem eine inzwischen erprobte Methode: Die Grundpreise werden erhöht, zugleich locken Schnäppchenangebote in begrenzter Zahl.

Kritik kam dennoch prompt. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nannte die "turnusmäßig angekündigte Preiserhöhung" ein falsches Signal. Die Bahn müsse doch eigentlich versuchen, weiter von einer wachsenden Umsteigebereitschaft vieler Autofahrer zu profitieren. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn wetterte gegen die "kundenfeindliche Geisterfahrt" und forderte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zum Einschreiten auf. Mit einem "dreisten Griff in die Taschen der Fahrgäste" wolle Mehdorn die Bahn "für renditehungrige Investoren noch lukrativer machen".

Vorerst wissen Anleger in spe allerdings wenig Konkretes darüber, wie der Börsengang eigentlich ablaufen wird dabei sind es bis zum Tag X, der für Anfang November erwartet wird, nur noch wenige Monate. Mehdorn und sein Finanzvorstand Diethelm Sack gaben sich wortkarg und ließen erst einmal nur die Zahlen sprechen: Der Gewinn stieg im ersten Halbjahr ohne positive Sondereffekte aus Verkäufen um 6,8 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

Dass eine ungünstige Börsenstimmung die Fahrt ans Parkett in den nächsten Wochen doch noch außerplanmäßig stoppen wird, erwarten die Manager nicht mehr. In Gesprächen mit Banken und Investoren in Europa, Asien und den USA habe er sich ermuntert gefühlt, berichtete Mehdorn, der mit Haut und Haar für sein großes Ziel gekämpft hat. Für Terminverschiebungen gebe es jedenfalls "überhaupt keinen Grund", beteuerte der 66-Jährige. "Man wartet auf uns."

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