Bundesweit

Bahn schmiedet Carsharing-Allianz

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München - Carsharing begeistert in Deutschland immer mehr Autofahrer. Grund genug für die Deutsche Bahn an einer deutschlandweiten Carsharing-Allianz zu basteln.

Bundesweit sind mehr als 750 000 Kunden bei einem Anbieter registriert – Tendenz steigend. 

Bereits im Januar kündigte der Konzern mit seiner Carsharingtochter Flinkster eine Kooperation mit dem Autobauer Daimler an, die im Herbst starten soll. Weitere Kooperationen mit kleinen regionalen Carsharing-Anbietern folgten. Nun arbeitet die Bahn auch mit dem Münchner Autobauer BMW zusammen. Damit entsteht ein Bündnis der drei größten Carsharinganbieter auf dem deutschen Markt.

Das erklärt auch, warum viele Bahncard-Kunden in den vergangenen Tagen E-Mails im ihrem Postfach hatten, in denen die Bahn die Werbetrommel für DriveNow rührt. Von April bis Juni erhalten Bahncard-Kunden Rabatt bei dem Carsharinganbieter von BMW und Sixt. „Eine Marketingkooperation, von der beide Seiten profitieren“, sagt Michael Fischer, Sprecher von DriveNow. Bisher gebe es allerdings keine Pläne zu weiteren Kooperationen. Die Zusammenarbeit sei zeitlich begrenzt – ein Testlauf, heißt es auch bei der Deutschen Bahn.

Doch warum kooperiert die Bahn überhaupt mit der Konkurrenz, wo sie doch selbst einen Carsharingdienst betreibt? „Wir wollen unsere Mobilitätskette erweitern“, heißt es dazu bei der Bahn. Der Plan ist, dass sich Flinkster und andere Carsharingdienste wie Car2Go (Daimler) und DriveNow künftig ergänzen. „Wir haben unterschiedliche Systeme“, erklärt eine Bahn-Sprecherin. Der bahneigene Carsharingdienst Flinkster funktioniert nach einem Stationsprinzip. Kunden können Autos nur an festen Ausleihstationen abholen und müssen sie auch dort wieder abgeben. Die Carsharingmodelle von BMW und Daimler sind anders gestrickt. Die Kunden können Autos innerhalb eines fest definierten Gebiets auf jedem freien Parkplatz nach Belieben abstellen – und erfahren bei Bedarf online oder telefonisch, wo das nächste freie Auto steht. „Free Floating“ nennt sich dieses Prinzip in der Fachsprache.

Während es sich bei der Kooperation mit BMW um eine vorerst einmalige Zusammenarbeit handelt, ist die Allianz mit Daimler auf Dauer angelegt. Daimlers Carsharingtochter Car2Go soll mit den Flinkster-Autos der Bahn verknüpft werden. Car2Go-Kunden können dann ohne gesonderte Anmeldung die Autos von Flinkster und die Mieträder der Bahn buchen. Umgekehrt können Flinkster-Kunden Car2Go-Wagen nutzen. Laut Bahn entsteht so bundesweit ein nahezu flächendeckendes Netz an Carsharing-Angeboten mit mehr als 6600 Fahrzeugen – 3100 von Flinkster und 3500 von Car2Go. Und die Bahn bastelt weiter. Denn: Je dichter das Carsharing-Netz, umso attraktiver wird das Prinzip „Teilen“ für Autofahrer.

Was ist Carsharing?

Carsharing steht für das organisierte und gemeinschaftliche Nutzen von Autos. Kunden schließen einen Rahmenvertrag mit einem Carsharinganbieter ab. Danach lassen sich freie Autos rund um die Uhr nutzen. In der Regel zahlen Kunden pro Fahrt einen bestimmten Betrag – berechnet zum Beispiel nach Zeit und gefahrenen Kilometern. Für Kunden ist das vor allem bequem. Sie müssen sich nicht um TÜV, Versicherung und Reparaturen kümmern. Auf dem deutschen Markt tummeln sich mittlerweile rund 150 Anbieter mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Traditionell gibt es feste Ausleihstationen – zum Beispiel bei Flinkster, dem Carsharingdienst der Deutschen Bahn. Seit 2011 sind mobile Angebote dazugekommen. Die Autos stehen in deutschen Großstädten am Straßenrand, der nächste freie Wagen lässt sich via Internet orten und reservieren. Hinter den Flotten der beiden größten mobilen Anbieter Car2Go und DriveNow stehen Daimler und BMW.

Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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