Deutsche Bahn - Stellenabbau: Streit schon vor Amtsantritt

Berlin - Ein flinker Seitenwechsel ­ auch im Kopf: Ex-Gewerkschaftsboss Norbert Hansen ist noch nicht als Personalchef der Bahn im Amt, spricht aber bereits von Personalabbau. Konzernchef Hartmut Mehdorn pfiff ihn zurück.

Mit Aussagen zu einem angeblich unvermeidbaren Stellenabbau bei der Deutschen Bahn hat der künftige Arbeitsdirektor Norbert Hansen neue Unruhe im Konzern ausgelöst. Vorstandschef Hartmut Mehdorn reagierte umgehend und sprach von Spekulationen, die "an den Haaren herbeigezogen seien". Für einen Personalabbau gebe es keine Pläne "und schon gar nicht gibt es derartige Beschlüsse", teilte Bahnchef Mehdorn mit.

Hansen hatte der "Bild"- Zeitung gesagt: "Wir werden bei der Bahn weiter rationalisieren müssen. Und das wird in einigen Bereichen nicht ohne Personalabbau gehen." In seinem neuen Amt als Arbeitsdirektor im Bahnvorstand sei es jedoch sein Ziel, ohne Kündigungen auszukommen. Hansen war erst vor einer Woche als Vorsitzender der Gewerkschaft Transnet zurückgetreten und beginnt am 1. Juni bei der Bahn.

Hansen forderte von den Mitarbeitern der Bahn eine höhere Effizienz: "Es gibt mittlerweile viele regionale Bahngesellschaften, die zeigen, wie es gehen kann. Da ist dann zum Beispiel ein Lokführer nicht nur dafür verantwortlich, den Zug zu steuern ­ sondern kann in den Zugabteilen auch einmal aufräumen oder auf einem kleinen Bahnhof mit anpacken." So etwas sei bei einem großen Konzern wie der Bahn zwar schwieriger, "aber in diese Richtung müssen wir langfristig denken", sagte Hansen.

Für den Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, zeigen die Äußerungen Hansens, "dass die Eisenbahner die Leidtragenden einer Teilprivatisierung der DB sein werden." Auch aus diesem Grunde lehne die GDL den Einfluss privater Investoren auf das Unternehmen ab.

Der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel kündigte Widerstand an, sollten tatsächlich weitere Rationalisierungen geplant sein. "Dann droht Krach, aber richtig", sagte Hommel. "Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter ist zwischenzeitlich so hoch, dass es für solche Überlegungen keinerlei Spielräume gibt." Hommel hatte in den vergangenen Jahren in enger Abstimmung mit Hansen Tarifpolitik betrieben.

Auch Hansens bisherige Gewerkschaft Transnet schäumte: "Ich war heute Morgen stocksauer und es hat eine Zeit lang gebraucht, bis mein Kreislauf wieder in Ordnung war", sagte deren neuer Boss Lothar Krauß (siehe auch Kasten) auf die Äußerungen Hansens. Den Vorschlag Hansens, dass Lokführer auch Zugabteile mal aufräumen könnten, halte er "für eine ziemliche Schnapsidee". "Man fällt den Mitarbeitern nicht in den Rücken", sagte ein anderer Gewerkschafter, der allerdings anonym bleiben wollte.

Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte in Berlin, in Sachen Beschäftigungssicherung werde "nichts mit Tricks und Kniffen" gemacht. Koalition und Bundesregierung hätten ihre Bedingungen für die Teilprivatisierung hinreichend klargemacht.

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