Schaffner bald mit Kamera?

Wegen aggressiver Fahrgäste: Bahn-Gewerkschaft fordert Test mit Bodycams

Immer wieder greifen Fahrgäste Bahn-Schaffner an. Nun fordert die Bahn-Gewerkschaft EVG einen neuen Testlauf: Die Zugbegleiter könnten Kameras am Körper tragen.

Frankfurt - Die Bahngewerkschaft EVG fordert die Deutsche Bahn auf, Körperkameras bei ihren Zugbegleitern zum Schutz vor aggressiven Fahrgästen zu testen. Sollte der Test erfolgreich sein, will die Gewerkschaft, dass die sogenannten Bodycams flächendeckend im Nahverkehr aller deutschen Eisenbahnunternehmen eingeführt werden. „Wir sind nicht bereit, hinzunehmen, dass aggressives und respektloses Verhalten immer weiter um sich greift“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel, der Deutschen Presse-Agentur. „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben einen Anspruch darauf, sicher unterwegs zu sein.“

Fahrgäste greifen immer wieder Bahnmitarbeiter an, etwa wenn sie ohne Ticket ertappt werden. Die am Körper getragenen Kameras könnten den Zugbegleitern nach Ansicht der EVG helfen, eine gewisse Distanz zu schaffen sowie bei der Aufklärung von Übergriffen helfen. Als Ort für den Pilotversuch schlägt die Gewerkschaft die Regionalbahn in Nordrhein-Westfalen vor, da dort besonders viele Übergriffe passierten.

Die Deutsche Bahn hatte 2017 bereits einen solchen Pilotversuch gemacht - bei ihrem Sicherheitspersonal. Dieser verlief laut Hommel positiv: „Durch den Einsatz von Körperkameras, der ausschließlich auf freiwilliger Basis erfolgte, ist die Zahl der Übergriffe bei DB Sicherheit zurückgegangen.“ Das bestätigte auch die Berliner Datenschutzbehörde in ihrem Jahresbericht 2017. Demnach erhöhten die Bodycams aber nicht die Sicherheit der Fahrgäste. Auch hätten weder Verstöße gegen das Hausrecht noch Sachbeschädigungen verhindert werden können.

Lesen Sie auch: Wer zwei Bedingungen erfüllt, wird bei der Bahn künftig nicht mehr kontrolliert

dpa

Rubriklistenbild: © dpa / Julian Stratenschulte

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