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Deutsche Bahn: Aus diesem Grund sind die Züge so unpünktlich

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Von: Lisa Mayerhofer

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Ein Regionalzug der Bahn fährt den Frankfurter Hauptbahnhof an.
Die Fernzüge der Deutschen Bahn haben sich im April so oft verspätet wie lange nicht. (Archivbild) © Arne Dedert

Die Corona-Pandemie flacht ab und die Züge werden immer voller. Und die Deutsche Bahn kämpft weiter mit Verspätungen, die eher noch zunehmen könnten.

Berlin – Auf die Angaben zu Abfahrts- und Ankunftszeiten bei Zugfahrten der Deutschen Bahn (DB) ist kein Verlass – das wissen viele Reisende. Zu oft kommt es zu Verspätungen oder gar Ausfällen – der Frust bei den Fahrgästen ist groß. Und es wird trotz aller Beteuerungen der DB nicht besser: So haben sich die Fernzüge der Bahn im April so oft verspätet wie lange nicht.

Deutsche Bahn: Baustellen führen zu Verspätungen

Die ICE- und Intercity-Züge kamen in 69,1 Prozent der Fälle pünktlich, wie das Unternehmen im Mai mitteilte. Das bedeutet, dass sie ihre planmäßige Ankunftszeit jeweils weniger als sechs Minuten überschritten. Eine geringere Pünktlichkeitsquote in einem Monat hatte es zuletzt im Juli 2015 gegeben.

Ein Bahnsprecher führte die Verschlechterung hauptsächlich auf Baustellen zurück. In Schienen und Bahnhöfe fließe in diesem Jahr die Rekordsumme von 13,6 Milliarden Euro. „Im April hat die Bahn im Schwerpunkt an besonders stark befahrenen Strecken gebaut.“ Die Bahn hatte vorab angekündigt, dass in der Osterzeit die Fahrt wegen Baustellen öfter mal länger dauern könne.

Größere Arbeiten gab es demnach etwa zwischen Berlin und München, Fulda und Frankfurt, Frankfurt und Köln, Karlsruhe und Basel sowie Stuttgart und Ulm. „Zusätzlich wirkten sich auch die andauernden Grenzkontrollen negativ auf die Pünktlichkeit aus“, sagte der Sprecher.

Deutsche Bahn erreicht ihre Pünktlichkeitsquote nicht

Dabei zählte die Bahn in den Osterferien erstmals wieder so viele Fahrgäste wie vor der Corona-Pandemie. Allein von Gründonnerstag bis Ostermontag waren im Fernverkehr 1,8 Millionen Menschen unterwegs, 20 Prozent mehr als zu Ostern 2019. Die Einführung des Neun-Euro-Tickets dürfte der Bahn in den Sommermonaten noch viel mehr Fahrgäste bringen.

Und damit dürfte sich das Frustrationspotenzial weiter erhöhen, denn pünktlicher werden die Züge in den kommenden Monaten wahrscheinlich nicht werden – nur voller. Für das Gesamtjahr hat sich der Konzern zwar vorgenommen, eine Pünktlichkeitsquote von 80 Prozent im Fernverkehr zu erreichen. Es ist jedoch fraglich, ob die DB das einhalten können wird. Zum Vergleich: 2021 kamen nur 75,2 Prozent aller Fernverkehrszüge zur geplanten Zeit an. Außer 2020 (82 Prozent) hat die Bahn es seit einem Jahrzehnt nicht geschafft, die 80-Prozent Marke zu knacken.

Deutsche Bahn: Auch im Sommer 2023 kann es zu häufigeren Verspätungen kommen

Der Konzern erwartet, dass viele Baustellen die Züge noch einige Jahre ausbremsen werden – darunter auch im kommenden Sommer. Die Bahn muss unbedingt ihr marodes Schienennetz auf Vordermann bringen und ausbauen – und ist gerade eifrig am Bauen. Das Problem dabei für Fahrgäste: Selbst ohne Baustellen liegt die Auslastung auf dem Netz bei einigen stark frequentierten Strecken bereits bei „125 Prozent“, bestätigt die DB gegenüber der Wirtschaftswoche. Die Schienen sind also zu voll.

Außerdem würden Planungen für die Sommermonate laut internen Papieren erhebliche Eingriffe in das Schienennetz nach sich ziehen. Es gebe Sperrstunden für den Zugverkehr – ein „erheblicher Steuerungsbedarf“ sei nötig, heißt es darin laut Wirtschaftswoche. Der Investitionsstau in der Infrastruktur wird auf knapp 60 Milliarden Euro beziffert. Das heißt: Reisende sollten sich weiter auf häufig vorkommende Verspätungen einstellen. (lma/dpa)

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