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Abgewatscht: Der künftige Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain.

Backpfeife für neue Führung der Deutschen Bank

Frankfurt/Main - Es schien alles ausgemacht, doch die Bafin lässt ausgerechnet den Kandidaten für einen Schlüsselposten im Deutsche-Bank-Vorstand durchfallen. Eine schallende Ohrfeige für das künftige Führungsduo Jain/Fitschen.

Mit einem Handstreich - so scheint es - wollten sie die Ära Ackermann bei der Deutschen Bank beenden. Noch vor dem offiziellen Abschied des langjährigen Vorstandschefs schoben dessen Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen einen radikalen Umbau des Top-Managements an. Viele Jain-Vertraute aus dem Investmentbanking sollten aufsteigen. Doch die ab Juni amtierenden Chefs haben die Rechnung ohne die Bankenaufsicht Bafin gemacht: Die Behörde lehnte den US-Amerikaner William Broeksmit als Risikovorstand ab. Damit steht vor allem Jain schon vor seinem Amtsantritt blamiert da.

Der gebürtige Inder muss ohnehin gegen viel Misstrauen ankämpfen. Kritiker sehen in ihm den personifizierten Raubtierkapitalismus britisch-amerikanischer Prägung. Jain führte mit seinem verschworenen Team in London die Deutsche Bank in die Top-Liga der internationalen Banken und erwirtschaftete Milliardengewinne - bis die Finanzkrise kam und die Wirtschaft an den Rand des Untergangs führte. Spätestens seitdem haben Investmentbanker das Image von skrupellosen Haifischen. Zahlreiche Klagen in den USA deuten auf zweifelhafte Geschäftsmethoden auch der Deutschen Bank hin.

Jain und Fischen wollten tiefgreifende Veränderungen

Als Gegenpol zu Jain, der seit Jahren als Kronprinz Josef Ackermanns gehandelt wurde, installierte die Deutsche Bank deshalb nach wochenlangem öffentlichen Hickhack im vergangenen Sommer Deutschland-Chef Jürgen Fischen. Seit Jahresbeginn bereitet das anscheinend so ungleiche Duo, das sich dem Vernehmen nach jedoch bestens versteht, ihren Wechsel an die Spitze vor und treibt einen tiefgreifenden Umbau beim deutschen Branchenprimus voran.

Das sollte eigentlich in aller Stille passieren, doch Details sickerten schon lange vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am Freitag durch. Das Tempo überraschte auch viele in der Bank. „Was wäre denn die Alternative gewesen? Abzuwarten bis Juni? Dann hätte es geheißen: Wie lahm sind die denn“, sagt ein Insider.

Die Nachricht, dass Ackermanns Erben beabsichtigen, gleich drei Investmentbanker in den Vorstand zu holen, rief einen Aufschrei der Empörung hervor. Politiker malten Schreckensszenarien von der Deutschen Bank als Zockerbude an die Wand, in den Medien war von einer Machtübernahme durch „Anshus Army“ die Rede.

Wird die Deutsche Bank eine Zockerbude?

Viele meinten, in den Personalien einen Strategieschwenk zu erkennen: Wieder weg vom eher traditionellen Privatkundengeschäft, das Ackermann zuletzt forcierte, hin zu mehr riskanten Geschäften. „Es ist ja nicht so, dass jetzt alles zur Investmentbank deklariert worden wäre“, verteidigt ein Insider die Weichenstellungen.

Etliche Beobachter indes halten vor allem die Trennung von Risikovorstand Hugo Bänziger für falsch. „Das könnte der Deutschen Bank nochmal leidtun“, sagt etwa Anlegeranwalt Klaus Nieding, der die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vertritt. Bänziger, wie Ackermann Schweizer, schreiben viele zu, dass die Deutsche Bank als ein Gewinner aus der Finanzkrise hervorgegangen ist. Sein Verhältnis zu Jain soll alles andere als gut gewesen sein.

Bankenaufsicht Bafin verweigert selten die Zustimmung

Stattdessen wollten Jain/Fitschen den Jain-Vertrauten Broeksmit auf die Schlüsselposition hieven. Doch das ging der Bafin wohl zu weit. Die Behörde, oft als „zahnloser Tiger“ verspottet, legte ihr Veto ein - ein peinlicher Vorgang für die größte deutsche Bank. Zwar kommt es durchaus vor, dass die Aufseher Vorstandskandidaten ablehnen. In der Regel geht es aber um kleine Institute. Nun trifft es die einzige deutsche Bank mit Weltruf.

Normalerweise versichern sich die Institute frühzeitig der Zustimmung der Bafin. Bei der Deutschen Bank wurden die Planspiele vorab tagelang in den Medien diskutiert. Der Konzern hätte zudem gewarnt sein müssen: Schon als zwischenzeitlich der frühere Bundesbank-Präsident Axel Weber als möglicher Ackermann-Nachfolger gehandelt wurde, waren Zweifel laut geworden, ob der Wirtschaftsprofessor das Okay der Bafin bekommen würde.

Eilends mussten Jain/Fitschen einen neuen Kandidaten benennen. Nun soll der bisherige Bänziger-Stellvertreter Stuart Lewis Risikovorstand werden. Dank der Indiskretionen ist aller Welt klar, dass der Schotte nur zweite Wahl ist. DSW-Vertreter Nieding regt das auf: „Es ist wieder einmal katastrophal gelaufen, wie die Personalien an die Öffentlichkeit gekommen sind. Das entspricht nicht dem Anspruch des Instituts. Kommunikationsmäßig ist die Deutsche Bank in etlichen Punkten beratungsbedürftig.“

dpa

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