Deutsche Bank: Branchenprimus triumphiert im Krisenjahr

Frankfurt - Die Deutsche Bank hat die Finanzmarktkrise bislang besser überstanden als viele ihrer Konkurrenten und sieht sich nach einem Rekordüberschuss für 2008 bestens gerüstet. Zwar büßte auch der deutsche Branchenprimus im vergangenen Jahr Milliarden in der US-Immobilienkrise ein. Dennoch steigerte der Konzern den Jahresüberschuss nochmals um sieben Prozent auf 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2007.

"In einer schwierigen Zeit hat die Deutsche Bank Stärke und Widerstandsfähigkeit bewiesen", sagte der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann. Er bekräftigte trotz anhaltender Nervosität an den Märkten das Ziel, in diesem Jahr ein Ergebnis vor Steuern von 8,4 (2007: 7,8) Milliarden Euro zu erreichen.

Ackermann zeigte sich offen für Zukäufe: "Wir haben immer gesagt, dass uns die Postbank interessieren würde. Wenn jemand uns ansprechen würde, wären wir gesprächsbereit. Das wäre auch für Deutschland eine sinnvolle Lösung." Die Deutsche Bank war bereits einmal mit dem Versuch gescheitert, die Postbank vor deren Börsengang Mitte 2004 zu übernehmen.

International befürchtet Ackermann eine weitere Schockwelle für die noch immer angespannten Märkte: Aktuelle Schwierigkeiten bei US- Kreditversicherern könnten für die Finanzmärkte zu einem "Tsunami" vergleichbar der Subprime-Krise werden, sagte er "Bloomberg TV". Auch die seit Sommer anhaltenden Turbulenzen am Markt für zweitklassige US-Hypothekenkredite seien noch nicht zu Ende: Er gehe davon aus, dass die Krise noch sechs bis neun Monate anhalten werde. Seine Managerkollegen mahnte er erneut zur vollständigen Offenlegung von Risiken. Deutschlands größte Bank musste im Schlussquartal 2007 nur noch geringe Wertberichtigungen wegen der Finanzkrise vornehmen. Von Oktober bis Ende Dezember lagen die Abschreibungen netto bei "weniger als 50 Millionen Euro". Bis Ende des dritten Quartals hatte die Bank 2,3 Milliarden Euro abgeschrieben.

Zu dem Rekordüberschuss von 6,5 Milliarden Euro trug maßgeblich ein gutes erstes Halbjahr 2007 bei. Im traditionell schwächeren vierten Quartal brach der Gewinn um 47 Prozent auf 1,0 Milliarden Euro ein. Das zeitweise vernachlässigte Privatkundengeschäft war 2007 auch Haupttreiber bei den Erträgen. Die Zahl ihrer Mitarbeiter weltweit baute die Bank im Vergleich zum Vorjahr um 9442 Stellen aus. In Deutschland erhöhte sich die Mitarbeiterzahl um 1378 Stellen auf 27 779. Trotz des Stellenaufbaus um fast 14 Prozent stiegen die Lohnkosten nur um 5 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro ­ vor allem wegen deutlich geringerer Bonuszahlungen.

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