Deutsche Bank: Cartellieri tritt ab

- Frankfurt - Er galt im größten deutschen Geldhaus als der starke Mann im Hintergrund. Gegen den Aufsichtsrat Ulrich Cartellieri lief bei der Deutschen Bank wenig. Doch jetzt plant die graue Eminenz nach einem Bericht des "Manager Magazin" ihren Abgang. Hintergrund ist ein Streit mit Vorstandssprecher Josef Ackermann. "Er hat den Machtkampf verloren", hieß es über Cartellieri. Und Ackermann sei gestärkt.

<P>Bereits bei der nächsten Sitzung soll Cartellieri sein Mandat niederlegen. Vertretern des Aufsichtsrates hat der Banker, der lange Jahre auch dem Vorstand der Bank angehört hatte, diesen Entschluss bereits mitgeteilt. "Er wird gehen", hieß es gestern. Offiziell nahm die Bank dazu keine Stellung.<BR><BR>Es ging in dem Machtkampf um die grundlegende Positionierung der Deutschen Bank. Während Ackermann diese vorwiegend international und im Investmentbanking positionieren wollte, setzte Cartellieri, einst auch ein Befürworter dieses Kurses, in jüngster Zeit auf den deutschen Markt sowie das Privat- und Firmenkundengeschäft. Die Verweigerung eines entsprechenden Kurses durch Ackermann wurde bereits von Aktionärsvertretern kritisiert. Diese fürchten auf Dauer um die Eigenständigkeit des Geldhauses. Auch Cartellieri wies auf diese Gefahr hin. <BR><BR>Bereits im Mai und Juni wurden die Differenzen zwischen ihm und Ackermann deutlich. Damals wollte Cartellieri die Postbank übernehmen, um das Privatkundengeschäft zu stärken. Bereits zu diesem Zeitpunkt war auch von einem Versuch die Rede, Ackermann zu entlassen. Cartellieri galt für diesen Fall bereits als möglicher Interims-Chef der Deutschen Bank. Der Coup scheiterte jedoch. Ackermann blieb, zumal er durch den Freispruch im Verfahren um großzügige Mannesmann-Abfindungen Rückenwind erhielt.<BR><BR>Ein wenig aber scheint die Kritik bewegt zu haben. Auf der Klausurtagung der Deutschen-Bank-Spitze an der Côte d'Azur hat Ackermann an Jürgen Fitschen im "Group Executive Commitee" die Gesamtverantwortung für die weltweiten Regionen und vor allem für das Deutschland-Geschäft übertragen. Eine Rolle, die es im eigentlichen Machtzentrum der Bank so bisher noch nicht gegeben hat. Es bleiben aber Zweifel, ob das wirklich mit einem Machtzuwachs verbunden ist.<BR></P>

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