Deutsche Bank in der Heimat einsam an der Spitze

Gewinnsprung: - Frankfurt -­ In der Heimat ist sie einsam vorn -­ in Europa nimmt die Deutsche Bank unvermindert Kurs auf die Spitze. "Wir kommen näher und schließen die Lücke", sagte Vorstandschef Josef Ackermann. Getrieben vom besten Geschäftsjahr ihrer Geschichte, setzt die größte deutsche Bank ihre Aufholjagd zu den profitabelsten Konkurrenten fort. Doch in der Heimat wollen die kritischen Stimmen trotz glänzender Zahlen und dem verstärkten Werben um die lange vernachlässigten Privatkunden nicht verstummen.

Beim Vorsteuergewinn peilt Ackermann für 2008 einen Wert von 8,4 Milliarden Euro an -­ nachdem sich das Institut im vergangenen Jahr auf die Rekordmarke von 8,1 Milliarden Euro katapultiert hatte. Damit würde der deutsche Branchenprimus den Großen auf dem Kontinent ­ von UBS (Schweiz) über HSBC (Großbritannien) bis BNP Paribas (Frankreich) in der Tat noch dichter auf die Fersen rücken: Die spanische Banco Santander (SCH) beispielsweise verdiente 2006 vor Steuern knapp 8,8 Milliarden Euro. Im Investmentbanking gehört die Deutsche Bank laut Ackermann bereits zu den sieben oder acht erfolgreichsten Instituten weltweit, im Privatkundengeschäft hole sie in vielen Ländern auf. Die Anteilseigner der Bank sollen wie bereits gemeldet mit einer Dividende von 4 Euro je Aktie (Vorjahr: 2,50) belohnt werden.

Doch obwohl die Bank besser dasteht denn je, scheut Ackermann allzu vollmundige Versprechungen. Offenbar hat der Schweizer den Aufschrei der Empörung nicht vergessen, der durch Deutschland ging, als er bei der Bilanzvorlage vor zwei Jahren in einem Atemzug den Abbau von 6400 Stellen und ein ehrgeiziges Renditeziel verkündete. Bei der diesjährigen Bilanzvorlage gab sich Ackermann bescheiden: Er wolle auch in den nächsten Jahren eine bereinigte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern erreichen -­ obwohl die Bank 2006 bewiesen hat, dass sie diesen Wert mühelos überschreiten kann (30,7 Prozent). "Ich will nicht als noch maßloser gelten", begründete Ackermann. Er bekannte sich erneut zum deutschen Markt: Bis 2010 soll die Zahl der Kunden bei der Norisbank von derzeit gut 30 000 auf eine Million gesteigert werden. Die Deutsche Bank hatte im Sommer die 98 Filialen der Norisbank wie zuvor schon die Berliner Bank gekauft. Dem Schweizer war lange vorgeworfen worden, den Heimatmarkt zu Gunsten weltweiten Wachstums zu vernachlässigen.

Trotz aller guten Zahlen: Die Kritiker wollen nicht verstummen. "Das ist ein stolzes Ergebnis, aber es hat krasse Fehler", schimpfte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong. Auf Kosten der Mitarbeiter eile der Dax-Konzern seit Jahren von Rekord zu Rekord: Seit dem Jahr 2000 baute die Bank fast 30 000 Arbeitsplätze ab. Ende 2006 hatte sie weltweit umgerechnet auf Vollzeitstellen 68 849 Beschäftigte. Die Tatsache, dass dies über 5000 mehr sind als zwölf Monate zuvor, besänftigt die Kritiker nicht. Die Belegschaft sei wegen des vorangegangenen Personalabbaus "bis an die Grenzen der Belastbarkeit beansprucht worden", meinte Foullong.

Ackermann lässt die Zahlen sprechen -­ und schweigt zu allen Fragen, die darüber hinausgehen.

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