Deutsche Bank: Kanzler empfiehlt Bossen andere Vorbilder

- Berlin - Nach der öffentlichen Kritik der vergangenen Tage hat auch Bundeskanzler Gerhard Schröder die Geschäftspolitik der Deutschen Bank heftig angegriffen. Tui-Chef Michael Frenzel nannte verantwortungsvolles Handeln von Konzern-Chefs einen "Balance-Akt".

<P class=MsoNormal>Schröder bemängelte in der "Welt am Sonntag" vor allem, dass Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Personal entlassen will, um die Kapitalrendite auf 25 Prozent zu steigern. "Ich finde, dass derart formalisierte Unternehmensziele immer problematisch sind." Er als Bundeskanzler könne auch nicht nur quantitative Ziele vorgeben.</P><P class=MsoNormal>Dem Management des größten deutschen Geldinstituts empfahl Schröder dessen früheren Vorstandssprecher Alfred Herrhausen als Vorbild, der die Bank stets auch in der Pflicht gesehen habe gegenüber den Beschäftigten und dem Land. "Ich empfehle den Herren, die derzeit das Unternehmen führen, sich diese Philosophie noch einmal zu Gemüte zu führen."</P><P class=MsoNormal>Tui-Chef Michael Frenzel mahnte eine sachliche Diskussion an. "Soziale Verantwortung des Managers bedeutet zuerst, alles dafür zu tun, dass sein Unternehmen im Wettbewerb überlebt", sagte Frenzel der "Süddeutschen Zeitung". Die deutsche Wirtschaft habe im internationalen Vergleich in der Wettbewerbsfähigkeit noch erhebliche Defizite. "Ob und wie diese typisch deutschen Strukturen einer Sozialpartnerschaft erhalten werden können - das ist der Balance-Akt, und dafür gibt es keine Patentrezepte", sagte Frenzel. Manager würden an ihren Ergebnissen gemessen. Rambo-Typen seien heute nicht mehr gefragt. "Aber ein reiner Gutmensch entspricht wohl auch nicht dem Ideal."</P><P class=MsoNormal>Kritik kam auch von der Union. "Natürlich muss die Rendite stimmen, sonst geht ein Unternehmen vor die Hunde", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ronald Pofalla, dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Aber der ideale Unternehmer muss auch seine Verantwortung für die Arbeitnehmer wahrnehmen." Ähnlich äußerte sich der Sozialdemokrat Hubertus Heil, Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Bundestags: "Gewinnstreben an sich ist nichts Verwerfliches. Aber es muss der Grundsatz gelten: Eigentum verpflichtet."</P><P class=MsoNormal>Pofalla nannte den Präsidenten des DIHK, Ludwig Georg Braun, einen "perfekten Unternehmer". Er investiere an seinem Heimatstandort Melsungen, sei sozial engagiert und sensibel genug, um Marktentwicklungen richtig zu erkennen, und durchsetzungsstark genug, um seine Ideen zu verwirklichen.</P><P class=MsoNormal>Die Deutsche Bank hatte am Freitag bekräftigt, an ihrem geplanten Stellenabbau in Deutschland festzuhalten. Es sollten einvernehmliche Lösungen mit den Arbeitnehmervertretern gesucht werden, um ihn "so sozialverträglich wie möglich" umzusetzen. Das größte deutsche Finanzhaus will innerhalb von zwei Jahren netto weitere 1920 Stellen im Inland und 5200 insgesamt streichen, um seinen Gewinn zu steigern.</P>

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