Deutsche Bank: Milliarden-Kapitalerhöhung

Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank will sich zur Komplettübernahme der Postbank mindestens 9,8 Milliarden Euro (brutto) frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen.

Das teilte der Dax-Konzern am Sonntag in Frankfurt mit. Zugleich beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat den Angaben zufolge, den Aktionären der Postbank ein Übernahmeangebot zu machen. Derzeit hält die Deutsche Bank knapp 30 Prozent an der Postbank, die sie noch im laufenden Jahr vollständig übernehmen will. Bis Februar 2012 muss sie weitere 27 Prozent von der früheren Postbank-Mutter, der Deutschen Post, für 45 Euro je Aktie übernehmen. Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen nach Angaben der Deutschen Bank AG am Sonntag, ein Übernahmeangebot an die übrigen Postbank-Aktionäre vorzulegen. Je Postbank-Aktie dürfte sich ein Preis von 24 bis 25 Euro ergeben. Sollten alle Anteile angeboten werden, würde dies die Bank bis zu knapp 1,7 Milliarden Euro kosten.

Zudem sei geplant, die Kapitalbasis zu stärken. Es ist geplant, das Grundkapital der Deutschen Bank AG um fast die Hälfte auf dann knapp 2,38 Milliarden Euro zu erhöhen.

Schärfere Eigenkapitalvorschriften

Hintergrund sind die strengeren Eigenkapitalvorschriften für die Kreditwirtschaft, auf die sich die weltweit wichtigsten Bankenaufseher verständigt haben. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Sonntag aus informierten Kreisen. Details über die “Basel III“ genannten schärferen Regeln wurden zunächst nicht bekannt.

Die Chefs der Notenbanken und Aufsichtsbehörden von 27 Ländern wollten ein weitreichendes Reformpaket schnüren. Es geht um striktere Vorgaben für das Eigenkapital und die Liquidität. Mit den neuen “Basel III“-Regeln sollen Banken gezwungen werden, besser gegen künftige Krisen gerüstet zu sein und Turbulenzen allein zu bewältigen - möglichst ohne Hilfe vom Staat.

Ziel der Bankenaufseher ist, dass Institute mehr Eigenkapital vorhalten und in einer Krise ausreichend Puffer haben. Deutschland hatte einen Kompromiss zunächst blockiert - vor allem wegen drohender Milliarden-Belastungen der öffentlich-rechtlichen Institute. Das betrifft nicht nur die Höhe der Eigenkapitalquote, sondern auch den Punkt, wie sich Eigenkapital zusammensetzt.

Über die Kapitalerhöhung war bereits am Freitag spekuliert worden. Die Bank hatte sich jedoch nicht äußern wollen. In der Folge der Marktgerüchte geriet die Deutsche-Bank-Aktie unter Druck und verlor 4,6 Prozent. Das Papier der Postbank legte dagegen um 4,7 Prozent zu.

dpa/dapd

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